Die Ausrottung der Leseratten im 21. Jahrhundert

Wenn wir uns einmal mit der Frage beschäftigen, wann wir zuletzt ein Buch zum Lesen in der Hand hatten und es auch wirklich von Anfang bis Ende durchgelesen haben, muss so manch einer ganz schön lange überlegen.

Lesen gehört nicht mehr zu den Top 15 Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen

Und dann gibt es noch die bekennenden Leseratten und Bücherwürmer unter uns, welche Lektüren aus allen Genres kontinuierlich durchsuchten. Schade eigentlich, dass die Kluft dazwischen immer weiter auseinanderklafft und es ist kein Geheimnis, dass die heranwachsende Generation eher auf der Seite der Lese-Verweigerer steht. Aber warum eigentlich?

Bücher
Der Verkauf von Büchern geht kontinuierlich zurück

Offizielle Zahlen bestätigen es – alleine der Bücherverkauf in Deutschland geht seit Jahren kontinuierlich zurück und auch das Lesen selbst gehört nicht mehr zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Menschen.

Und dies liegt nicht etwa daran, dass es an guten Autoren mangelt oder die Auswahl an guten Lektüren zu gering wäre. Nein, Autoren aus aller Welt geben sich täglich unglaublich Mühe, spannende Fantasy-Geschichten, aufregende Dystopien und moderne Jugendbücher herauszubringen.

Daran kann das mangelnde Interesse also nicht liegen. Noch nicht einmal daran, dass es keine Alternative zum sturen Zeile-für-Zeile-Lesen gibt, denken wir an die Hörbücher, die oft nur wenige Monate nach dem Erscheinen eines Buches, herausgebracht werden.

Ist die Digitalisierung schuld am Wandel?

Fragen wir die jungen Leute, so bekommen wir sehr häufig als Antwort: „Ich habe keine Zeit zum Lesen!“ Und das könnte tatsächlich der Realität entsprechen, auch wenn der Schlüssel hier vermutlich in der Prioritäten-Setzung liegen würde. Doch gerade die Jugend wächst nicht mehr mit einem Buch in der Hand auf, vielmehr verbringen die meisten ihre Zeit mit Telefonieren, mit dem Spielen auf dem Smartphone, dem Surfen im Netz und in den sozialen Medien. Und dann wäre da noch die Schule, vielleicht der Sport und die Familie – wo bleibt da noch Raum fürs Lesen?

Lesen als Freizeit-Beschäftigung
Lesen als Freizeit-Beschäftigung

Ein zweites, durchaus verständliches Argument, lautet: „Ich habe kein Geld für Bücher!“ Ja, wer viel liest, der muss dafür Geld ausgeben und mit Blick auf die Randgruppe Leseratte, kann dies schon einem mittel-teuren Hobby nachkommen. Freilich, die aktuellsten Bestseller beliebter Autoren werden inzwischen für bis zu 30 Euro, im Schnitt rund 14 – 15 Euro verkauft. Bei nur 3 Büchern im Monat kann sich jeder selbst errechnen, was der Bücher-Konsum eigentlich kosten kann.

Kein Wunder also, dass nach einer renommierten Umfrage aus England herauskam, dass sich das Lese-Verhalten am Einkommen orientiert. So gab Multimillionär Bill Gates etwa an, im Jahr etwas über 50 Bücher zu lesen und Mark Zuckerberg gab an, zwei Bücher im Monat zu lesen.

In Haushalten mit geringem Einkommen wurden elektronische Medien bevorzugt und mehr ferngesehen, als sich mit einem Buch zu beschäftigen. Und dann wären da noch die unterschiedlichen Bildungsschichten zu nennen. Je nach Bildungsniveau werden entsprechende Ansichten an die Kinder weitergegeben.

Wer nicht gut lesen kann, der kann auch seinen Nachwuchs nicht darin unterstützen. Ihnen wird also gar nicht die Möglichkeit gegeben, sich eventuell für Bücher zu interessieren. Kinder aus wohlhabenden und gebildeten Häusern werden im Gegensatz dazu, mehr zum Lesen animiert und die Bücher-Nutzung gefördert.

Und dann wäre da noch die Digitalisierung, welche im Bezug auf das Lesen, eigentlich nur für eines sorgt: Ablenkung! Immerhin sind wir es inzwischen gewohnt, Informationen, News und Geschichten schnell zu erhalten. Wir müssen uns nicht mehr durch 400 Seiten Buch wälzen, um etwas zu verstehen.

Wir bekommen es auf dem Silbertablett in Kurzform geliefert. Sämtliche Nachrichten, News und Informationen werden so aufbereitet, dass wir schon nach einem kurzen Blog-Artikel von 500 Worten wissen, was wir wissen wollten. Keine Frage, die heutige Generation ist einfach nicht mehr bereit dazu, sich auf die Anstrengung Lesen einzulassen. Ja, sie ist dahingehend sogar ziemlich faul geworden.

Gute Gründe für das Lesen

Wir kennen nun all die Ausreden, die uns vom Lesen abhalten. Und ja, es sind lediglich Ausreden. Denn wir müssen keine Millionäre sein, um es uns leisten zu können, zu lesen. Immerhin hat so ziemlich jeder Mensch die Möglichkeit, sich einen kostenfreien Ausweis in der nächstgelegenen Bibliothek zu besorgen.

Außerdem haben wir dank Plattformen wie Rebuy oder E-Bay immer die Möglichkeit, gebrauchte Bücher für weit weniger zu erwerben. Und was das Nutzerverhalten der modernen Medien angeht, da könnten wir uns auch einfach mal an der Nase packen und etwas verändern.

Für die Zukunft kann das ausbleibende Leseverhalten unserer Kinder ein Problem werden

Aber wozu eigentlich? Und bringt mir das Lesen wirklich so viel?

Die Anzahl an Analphabeten steigt, die Ausdrucksfähigkeit der Schüler geht zurück, immer mehr Kinder schreiben schlechte Noten in Deutsch, beherrschen die Rechtschreibung und Grammatik nicht und lernen auch sonst nicht mehr, sich für längere Zeit auf ein Thema zu konzentrieren.

Es mangelt an Ausdrucksfähigkeit und Wortgewandtheit, stattdessen prägen sich unsinnige Jugend- und Unworte in den Gedächtnissen der Kids ein.

Das Lesen von Büchern kann einem so vieles geben und in all diesen Punkten helfen:

Lesen ist wie Reisen in eine andere Welt. Es stimmt, wer liest, der kann dies nicht mit dem Gucken eines 1,5-stündigen Films vergleichen.

Bücher lesen fördert die Ausdrucksfähigkeit
Bücher lesen fördert die Ausdrucksfähigkeit

Lesen kreiert eigene Bilder Kopf, regt die Fantasie und das Vorstellungsvermögen an und schafft eine Welt, in der man tief eintauchen kann. Hieraus entwickelt sich schließlich auch der Spaß am Lesen, denn es ist, als würde man mit jeder Seite, in seine ganz persönliche Lieblingsserie eintauchen.

Lesen fördert die Konzentration, wirkt entspannend und hilft beim Einschlafen. Wer liest, der muss sich auf das Gelesene konzentrieren, um den Inhalt zu verstehen. Und dies über einen längeren Zeitraum hinweg.

Gerade für Kinder kann dies von großem Vorteil sein, da sie sich in der Schule ja auch länger konzentrieren müssen. Auch das will gelernt sein. Und während die Reizüberflutung auf Facebook und Co. eigentlich nur aufwühlt und stresst, sorgt das Lesen automatisch für Ruhe und Entspannung. Daher ist es auch weit sinnvoller, sich ein gutes Buch vor dem Einschlafen zur Hand zu nehmen, anstatt seiner Netflix-Sucht nachzugeben.

Lesen bildet, aber das hören wir nicht zum ersten Mal

Es stimmt aber trotzdem, denn wer liest, der erweitert seinen Horizont. Und das nicht nur im sprachlichen Bereich oder in Sachen Grammatik und Rechtschreibung, sondern auch im Bereich Meinungsbildung, Verständnis und Weltansicht. Wer liest, der denkt darüber nach, schafft neue Diskussionsgrundlagen und entwickelt seine Persönlichkeit weiter. Und dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, was genau wir lesen.

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Es lohnt sich also, sich einmal mehr mit dem Thema Lesen zu beschäftigen. Und für alle Leseratten da draußen gilt: Macht weiter so, ihr seid super!

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