Sexuelle Belästigung – mehr als nur ein Delikt

Sexuelle Belästigung ist ein tiefer Eingriff in die Menschenwürde und eine große Verletzung der intimsten Privatsphäre. In Deutschland ist fast jede zweite Frau schon einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden. Insgesamt sind weitaus mehr Frauen als Männer von dieser Straftat betroffen.

Was ist sexuelle Belästigung? Wo ist die Grenze?

Dabei gilt jede Handlung, die nicht erwünscht ist und einen sexuellen Hintergrund hat als Belästigung.

Sexuelle Belästigung
Sexuelle Belästigung

Es gibt zwar bereits Sanktionen, die verhängt werden können, allerdings geschieht dies meist erst, wenn es bereits zu spät ist.

Die richtige Prävention ist daher auf diesem Gebiet sehr wichtig.

Sexuelle Belästigung ist zu keiner Zeit als „ok“ anzusehen und muss auch entsprechend geahndet und unterbunden werden. Psychische Langzeitfolgen unter den Betroffenen sind leider keine Ausnahmefälle.

Oftmals scheint nicht klar zu sein, wo genau sexuelle Belästigung überhaupt anfängt und was noch in Ordnung ist. Dabei ist es auch von der Gesetzgebung her klar geregelt.

Jegliche Annäherungen, die eine Person in ihrer Würde verletzten und unerwünscht sind, fallen in den Bereich der sexuellen Belästigung. Es muss nicht zwingend eine handgreifliche Handlung ausgeführt werden um jemand anderenn zu belästigen. Ein Griff an den Po oder eine obszöne Aussage können schon ausreichen, um eine andere Person in ihrer Würde herabzusetzen.

Ebenso ein dauerhaftes Anstarren, fixierende Blicke oder auch Bemerkungen über die Figur können diesen Tatbestand darstellen.

Was kann man tun, sobald man bedrängt wird?

Belästigung am Arbeitsplatz
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Kavaliersdelikt

Zuerst sollte die Person, von der die Belästigung ausgeht, darauf hingewiesen werden. Dies sollte zwar höflich aber dennoch bestimmend geschehen. Keinesfalls sollte dieses Verhalten als „nicht so schlimm“ abgetan werden. Zu hoffen, dass dieses Fehlverhalten von alleine aufhört, ist meist ein Trugschluss.

Derartig unerwünschte Annäherungen sollten direkt zu Beginn im Keim erstickt werden.

Bei sexueller Belästigung im öffentlichen Raum kann es schon helfen den Belästiger energisch zurückzuweisen. Dieser empfindet dann meist Scham und hat Angst die Blicke der anderen Passanten auf sich zu ziehen.

In Diskotheken oder auf Veranstaltungen sollte man sich an das Sicherheitspersonal wenden.

Häufig kommt sexuelle Belästigung auch am Arbeitsplatz vor. Dieses berufliche Umfeld ist zwar oftmals eine schwierigere Situation, dennoch kann man sich gegen einen Übergriff erfolgreich zur Wehr setzen. Einen Vorfall sollte man keinesfalls verschweigen, sondern den Vorgesetzten kontaktieren. Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Arbeiter und Angestellten vor sexueller Belästigung zu schützen.

Als Ansprechpartner kann man allerdings auch den Betriebsrat oder den Betriebsarzt kontaktieren.

Sollte die Belästigung vom Chef oder einem höheren Angestellten stattfinden, ist auch der Gang zur Gewerkschaft ratsam.

Die aktuellen Diskussionen über sexuelle Belästigung

Derzeit beherrscht das Thema sexuelle Belästigung die Medienwelt mehr denn je. Hintergrund dafür sind die Anschuldigungen gegen den berühmten Hollywood Produzenten Harvey Weinstein.

An diesem Beispiel zeigt sich einmal mehr, wie eine Machtposition für sexuelle Hintergründe ausgenutzt wurde. Daraufhin ist die Kampagne „#metoo“ ins Leben gerufen worden.

Sexuelle Belästigung - #metoo
Sexuelle Belästigung – #metoo

Dort schildern Frauen ihre Erlebnisse und machen anderen Betroffenen Mut sich dagegen zur Wehr zu setzen.

Die aktuellen Diskussionen zeigen allerdings nur das Ausmaß der sexuellen Belästigung bis in die höchsten Ebenen.

Leider wird nicht nach den Hintergründen und Ursachen für diese Übergriffe gefragt. Die genauen Ursachen hierfür sind nicht einfach zu deuten.

Oftmals werden Frauen hierbei als zu emanzipiert hingestellt, was für ein falsches Verrohungsdenken der Gesellschaft spricht. Frauen sind keinesfalls als Objekte anzusehen. In manchen kulturellen Kreisen sind die Rechte der Frau als sehr gering anzusehen und die Belästiger kennen es von ihrem Hintergrund her nicht anders.

Dieses Denken ist allerdings keinesfalls kompatibel mit unserer modernen Gesellschaft. Daher stellt sich letztendlich die Frage, wie der sexuellen Belästigung Grenzen gesetzt werden können und Täter bereits von vornherein abgeschreckt werden.

Wir sind da etwas ratlos, was denkt Ihr?

12 Gedanken zu „Sexuelle Belästigung – mehr als nur ein Delikt“

  1. Kommt raus aus euerer Phantasiewelt. Das erinnert ja an Märchen für Kleinkinder.
    Und ich als Mann kriege bei so etwas am ehesten das Gefühl, langsam zur Eigensicherung übergehen zu müssen, weil Massen von irregewordenen unerwachsenen Frauen mich verleumden könnten, wenn ich nicht mindestens einen Horizont Abstand halte.

    1. Hallo Jens, danke für Deinen Beitrag.

      Von welcher Fantasiewelt sprichst Du?
      Hältst Du das Thema sexuelle Belästigung für eine Phantomdiskussion,
      gibt es das Thema gar nicht? Oder was meinst Du?

      Für mich klingt das jetzt sonst nach Kleinkind-Reaktion „dann schaue ich halt gar nicht mehr hin und geh allen Frauen aus dem Weg“?

  2. So, ein weiterer sehr schön geschriebener Blogbeitrag zum Thema (sorry, Dein orginal Kommentar ist wegen Deiner Beschreibung eine Körperteils 🙂 nicht aus meinem Spamfilter zu bekommen…) Werde das gleich mal beheben, muss hier aber manuell posten:

    Blogparade Sexuelle Belästigung: „Hey, Geiler Arsch!!!“ | uepsilonniks –
    Sehr lesenswert auf
    https://uepsilonniks.wordpress.com

    Vielen Dank für Deinen Beitrag!

    Dana

  3. Wie wäre es, bei unerwünschten Annäherungsversuchen / Übergriffen durch Vorgesetzte zu sagen:
    „Sie wollen doch jetzt nicht etwa den Weinstein geben? Im Ernst?“

    Das lässt sich lächelnd sagen und enthält doch ein unausgesprochenes Drohpotenzial…
    Was meint Ihr?

    1. Wichtig ist auf jeden Fall, das ein klares „nein“ rüberkommt.
      Filigrane Freundlichkeit wird vermutlich nicht helfen.
      Andererseits versuch es halt erst, „nein“ kann man dann immer noch sagen.

    2. Ich habe an einem deutschen Gericht gearbeitet. Dort ist die Frauenquote schon seit Jahren extrem hoch.

      Jetzt ratet doch mal, wer mich dort mehrfach „sexuell belästigt“ hat. Nein, es waren keine männlichen Kollegen. Der Unterschied ist halt der: Wir Jungs machen da kein größeres Theater draus. Wir werden ja auch nicht feministisch belohnt.

      Uns würde man ohnehin nicht glauben. Ähnlich war es bei der häuslichen Gewalt, die ich erlebt habe. Mir hat weder die Polizei, die Staatsanwaltschaft und später auch in einem Sorgerechtsfall das Gericht nicht geglaubt. Das Jugendamt ist mir dann auch noch in den Rücken gefallen, ich bin ja Mann und die Kinder gehören zu Frau.

      Ich bin mittlerweile so weit, dass ich mich als „potentieller Vergewaltiger“ keiner Frau mehr nähere. Das ist schade. Gerade auch für die Frauenwelt. Es gab Frauen, die mochten mich sehr gerne (auch und gerade in bestimmten Situationen).

      Spaßig ist vor allem, wenn Feministen die Ausfälle homosexueller Männer für sich ausschlachten… …oder mit Erlebnissen kommen, die über 70 Jahre her sind. Man kann sexuellen Missbrauch ja ansprechen, was die Frauenwelt aber macht, ist schädlich für die wahren Opfer.

      Was viele Frauen auch vergessen: Sie nutzen Erotik immer dann aus, wenn es ihnen hilfreich ist. Die Vorwürfe sind momentan eben hilfreich. Alternder Filmstar? Klar, da war doch was vor 70 Jahren!

      Alles mögliche verjährt. Unbewiesene Vorwürfe werden allerdings auf das Schärfste verfolgt und Existenzen zerstört. Das Thema „Falschbeschuldigungen“ existiert ebenfalls.

  4. So lange es eben immer noch gesellschaftlich normal ist, eben ein Kavaliersdelikt, Umkleidengeschwätz, toleriertes Auftreten ist der Wurm drin. In immer noch vielen Bereichen ist eben die Gleichberechtigung dann doch nur aufgesetzt und in trauter Runde unter Männern klingt es dann ganz anders – alles ganz normal,“harmlos“, gesellschaftlich gestützt. Und mal ehrlich, die Werbung, das Fernsehen, alle machen kräftig mit. Sex sells. Macht ist geil. Etc. Deswegen ist es ja so wichtig, das ans Licht zu holen, zu thematisieren und auch mal wirklich Konsequenzen spüren zu lassen. Denn genau auf dieser „Kultur“, auf diesem „das ist doch alles ganz normal und nicht so schlimm“ oder „Frauen wollen es doch“ basiert auch die Vergewaltigung, oder zumindest deren Ausreden. Und mindestens ebenso wichtig: Dass auch Männer lernen, es nicht durch Schweigen zu tolerieren oder unterstützen.

  5. Ich bin froh, dass das Thema jetzt so häufig diskutiert wird und meine Hoffnung ist es, das es nicht einfach wieder totgeschwiegen wird.
    Wir sollten uns alle dafür stark machen, das dieses Thema mehr als nur ein „Kavaliersdelikt“ ist!
    Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel,
    LG
    Kirsi

  6. Ich glaube, dass das zu einem großen Teil (auch) ein Generationenproblem ist und lege meine Hoffnung auf die jüngere Generation auf dass sie mit dem Thema sensibler umgehen möge.

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