1996 gab es in Deutschland 13,2 Millionen Familien. 2025 waren es noch 11,8 Millionen – ein Minus von rund 11 Prozent. Dahinter steckt kein Abschied von der Familie als solcher, sondern eine Verschiebung: Menschen bekommen Kinder später, seltener, und die Aufgaben innerhalb der Familie verteilen sich anders als noch vor zwanzig Jahren.
Wie sich Familienleben und Familiengründung in Deutschland verändern
Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Regenbogenfamilien, bewusste Kinderlosigkeit – in Elternblogs und Ratgeberportalen sind das inzwischen feste Themen, oft unter Schlagworten wie moderne Familie oder „Familie 2.0“.

Dort geht es meist um gelebten Alltag: wie Trennungseltern sich Betreuung aufteilen, wie Alleinerziehende Job und Kinder organisieren, wie gleichgeschlechtliche Paare Familie gründen. Die amtliche Statistik bildet diese Vielfalt nur teilweise ab, sie zeigt aber die harten Zahlen dahinter.
Später Mutter, später Vater
Bei Frauen, die Anfang der 1970er-Jahre geboren wurden, war rund jede Dritte mit 25 Jahren bereits Mutter. Bei den Ende der 1980er-Jahre Geborenen liegt dieser Anteil nur noch bei etwa 20 Prozent.
Mit steigendem Alter gleichen sich die Unterschiede zwischen den Jahrgängen zwar wieder an. Ausbildung, Berufseinstieg und die Frage nach einem gesicherten Einkommen verschieben den Zeitpunkt der Familiengründung aber über alle Generationen hinweg nach hinten.
Wer sich für Kinder entscheidet, bekommt meist mehr als eines. 83 Prozent der zehnjährigen Kinder lebten 2025 mit Geschwistern im Haushalt zusammen – ein Wert, der sich seit 1996 kaum verändert hat.
Länger im Elternhaus
30 Prozent der 25-Jährigen wohnten 2025 noch bei den Eltern. Zwischen 2022 und 2024 lag der Wert konstant bei 28 Prozent. Söhne bleiben deutlich häufiger im Elternhaus als Töchter: 36 Prozent gegenüber 23 Prozent.
Die Mikrozensus-Daten selbst nennen keine Gründe dafür, aber Mieten, Wohnungsmangel und gestiegene Lebenshaltungskosten dürften eine Rolle spielen.
Geburtenzahlen auf historischem Tiefstand
654.300 Kinder kamen 2025 in Deutschland zur Welt, 3,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor – ein neuer historischer Tiefstand. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erklärt das auch damit, dass inzwischen kleinere Geburtsjahrgänge selbst über Kinder entscheiden.
Die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts geht davon aus, dass die Kinderzahl je Frau zunächst leicht von derzeit 1,58 auf 1,62 steigt, danach aber dauerhaft sinkt – bis auf 1,30 gegen Ende des Projektionszeitraums.
Ein solches Niveau würde mehr Ein-Kind-Familien und mehr dauerhafte Kinderlosigkeit bedeuten. Ob es so kommt, hängt laut den Statistikern von wirtschaftlicher Sicherheit, stabilem Haushaltseinkommen und der Qualität von Kinderbetreuung und Schule ab.
Elternzeit und Elterngeld: Die Rollen verändern sich nur langsam
Elterngeld: Väter bleiben kurz, Mütter lang
Beim Elterngeld zeigt sich, wie ungleich Sorgearbeit verteilt ist. 2025 bezogen 1,61 Millionen Menschen Elterngeld, davon 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer. Der Väteranteil lag bei 25,9 Prozent, nach Jahren des Anstiegs seit 2015 nun fast unverändert gegenüber 2024.
Bei der Bezugsdauer ist der Unterschied größer: Frauen planten im Schnitt 14,9 Monate Elterngeld ein, Männer 3,8 Monate. Viele Väter nehmen zwei Monate, oft den ersten Lebensmonat und einen weiteren.
Für manche Familien mag das reichen, es zeigt aber auch, dass Möglichkeiten wie Elterngeld Plus, Partnerschaftsbonus oder Teilzeit nicht durchgängig genutzt werden.
Elterngeld Plus selbst gewinnt an Bedeutung
Das Elterngeld Plus selbst gewinnt an Bedeutung: 40,3 Prozent der Elterngeldbeziehenden planten es 2025 ein, gegenüber 36,7 Prozent im Vorjahr, ein neuer Höchstwert.
2016, im ersten Jahr nach der Einführung, lag der Anteil noch bei 20,1 Prozent der Mütter und 8,2 Prozent der Väter. Beim Väteranteil hat sich zuletzt trotzdem wenig bewegt. Den Partnerschaftsbonus, der zusätzliche Monate ermöglicht, wenn beide Elternteile parallel in Teilzeit arbeiten, nutzten nur 8,3 Prozent der Elterngeld-Plus-Beziehenden.
Regional gibt es deutliche Unterschiede: In Sachsen lag der Väteranteil 2025 bei 30 Prozent, in Baden-Württemberg bei 28 Prozent, im Saarland dagegen nur bei 21 Prozent.
Einkommensunterschiede beim Elterngeld
Auch bei den Beträgen zeigt sich ein Ungleichgewicht. Knapp ein Drittel der Väter hatte im ersten Bezugsmonat Anspruch auf den Höchstbetrag, bei den Müttern war es nur jede Achte.
Über den gesamten Bezugszeitraum gerechnet, kehrt sich das Bild aber um: Väter bezogen im Schnitt 4.185 Euro Elterngeld insgesamt, Mütter 11.462 Euro – weil Mütter deutlich länger in Elternzeit bleiben.
Zuwanderung als schwer kalkulierbare Größe
Neben Geburten und Sterbefällen ist Migration die am wenigsten vorhersehbare Stellgröße der Bevölkerungsentwicklung. Seit 2010 ziehen regelmäßig mehr Menschen nach Deutschland als von dort fort, mit deutlichen Ausschlägen durch den Syrien-Krieg 2015/2016 und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022.
Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit und vorübergehendem Schutzstatus bilden mittlerweile die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe in Deutschland, nach Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit.
Mehrere Entwicklungen, kein einheitlicher Trend
Spätere Elternschaft, längeres Wohnen im Elternhaus, sinkende Geburtenzahlen, eine nur langsam wachsende Beteiligung von Vätern an der Elternzeit – diese Entwicklungen laufen parallel, nicht als ein zusammenhängender Trend.
Nach wie vor ist es in der Lebensmitte die Regel, als Elternteil in einer Familie mit Kindern zu leben. Wie diese Familie aussieht, mit wie vielen Kindern, ab welchem Alter, mit welcher Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit, unterscheidet sich heute aber deutlich stärker als noch vor dreißig Jahren.


