Manchmal frage ich mich, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich den klassischen Weg gegangen wäre. Fester Job, geregelte Arbeitszeiten, ein sicherer Rahmen. Doch schon früh war mir klar: Ich funktioniere anders. Kreativität ist für mich kein Hobby, sondern Berufung – und so habe ich mich nach ein paar Jahren im Agenturalltag ganz bewusst für die Selbständigkeit als Grafikdesignerin und Texterin entschieden.
Zwischen Skizzenbuch, Laptop und Lebensrealität
Heute genieße ich die Freiheit, meinen Tag selbst zu gestalten. Ich liebe es, morgens mit einem Kaffee auf dem Balkon zu sitzen, während die Stadt langsam erwacht, und erste Ideen für neue Projekte zu skizzieren.

Doch diese Freiheit bringt auch Herausforderungen mit sich: Projektakquise, Kundengespräche, Deadlines, Buchhaltung – all das will organisiert werden. Und dann ist da noch mein Privatleben, das genauso Aufmerksamkeit verdient: meine Partnerin, unsere gemeinsamen Pläne, unsere Unterstützung füreinander. Wir leben in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, was für mich zwar selbstverständlich ist, aber dennoch in manchen Situationen eine besondere Rolle spielt – dazu später mehr.
Ein Schlüsselmoment, der mir immer wieder in Erinnerung bleibt, war ein besonders stressiger Projektabschluss. Ich hatte tagelang an einem großen Branding-Projekt gearbeitet, kaum geschlafen, und war völlig ausgelaugt – bis meine Partnerin mir sanft den Laptop schloss und mir sagte: „Du bist nicht deine Arbeit. Mach mal Pause.“ In diesem Moment habe ich verstanden, dass Selbständigkeit nicht bedeutet, sich selbst aufzugeben, sondern im Gegenteil: sich selbst Raum zu geben, um wachsen zu können – beruflich wie privat.
Authentizität, Vielfalt und die Suche nach Sinn
Was mich antreibt, ist mehr als die Freude am Gestalten. Ich will mit meiner Arbeit etwas bewirken – für meine Kund:innen, für die Gesellschaft, manchmal auch einfach für mich selbst. Authentizität ist mein roter Faden. Ich nehme nur Projekte an, die zu meinen Werten passen. Ich unterstütze Unternehmen, die Diversität leben, soziale Verantwortung übernehmen oder nachhaltige Produkte entwickeln. Das gibt meiner Arbeit Sinn und motiviert mich, auch in schwierigen Phasen dranzubleiben.
Vielfalt ist für mich nicht nur ein gesellschaftliches Schlagwort, sondern gelebte Realität. In meiner Partnerschaft, in meinem Freundeskreis, in meinen Projekten. Ich weiß, wie wichtig Sichtbarkeit ist – gerade für Menschen, die nicht der „Norm“ entsprechen. Deshalb versuche ich, mit meinen Designs und Texten auch Themen wie Gleichberechtigung, Inklusion und Empowerment sichtbar zu machen. Ich glaube fest daran: Gute Gestaltung kann Brücken bauen, kann Denkanstöße geben, kann Veränderung anstoßen.
Natürlich bedeutet Authentizität auch, sich zu zeigen – mit Ecken und Kanten. Ich habe gelernt, dass es okay ist, Schwächen zu haben, Fehler zu machen, auch mal unsicher zu sein. Gerade im kreativen Bereich wird oft erwartet, immer innovativ, immer perfekt, immer „on point“ zu sein. Aber echte Verbindungen entstehen durch Ehrlichkeit. Viele meiner Kund:innen schätzen es, dass ich offen kommuniziere, auch mal Zweifel teile oder einen anderen Blickwinkel einbringe. Das macht die Zusammenarbeit menschlicher – und oft auch erfolgreicher.
Balanceakte zwischen Selbstständigkeit, Partnerschaft und gesellschaftlicher Verantwortung
Die größte Herausforderung in meinem Alltag ist die Balance. Als Freiberuflerin bin ich mein eigener Boss – was großartig ist, aber auch bedeutet, dass ich für alles selbst verantwortlich bin. Akquise, Projektmanagement, Buchhaltung, Weiterbildung – und natürlich die eigentliche kreative Arbeit. Es gibt Wochen, da jongliere ich mit fünf Projekten gleichzeitig, beantworte Mails spätabends, weil ich tagsüber einfach nicht dazu gekommen bin, und frage mich, wann ich zuletzt einfach mal einen Tag für mich hatte. „Kreativität, Karriere & Community: Mein Alltag als selbständige Grafikdesignerin“ weiterlesen