Kurzgeschichte für Kinder – Drachen steigen lassen

Teil 1 – Der Drache und die Windstille

Antonia stand auf dem kleinen Hügel und hielt ihren Drachen in den Händen. Lange wartete Antonia darauf, dass endlich der lang ersehnte Wind aufkommen würde, denn dieser würde ihr es ermöglichen, ihren Drachen steigen zu lassen, den sie selbst bemalt hat. Es hatte sie viel Mühe gekostet, den Drachen anzumalen und sie musste dabei ab und zu die Hilfe ihrer Mutter in Anspruch nehmen, denn an manchen Stellen wusste sie nicht, wie sie den Drachen bemalen sollte.

Kurzgeschichte Drachen steigen lassen
Kurzgeschichte Drachen steigen lassen – © benik.at / Adobe Stock

„Das spielt keine Rolle, Antonia. Bemale den Drachen einfach so wie er dir am besten gefällt. Benutze doch deine Lieblingsfarben. Ich bin mir sicher, dass der Drache sehr schön aussehen wird, wenn du ihn erst einmal komplett angemalt hast.“

Antonia verbrachte mehrere Stunden damit, ihr Fluggerät anzumalen und als sie ihre Arbeit beendet hatte, war sie sehr stolz auf sich, denn den größten Teil des Anmalens hatte sie selbst übernommen.

Nur manchmal wendete sie sich an ihre Mutter, da sie Hilfe brauchte. „Der Drache ist sehr schön geworden, Antonia. Jetzt müssen wir nur noch auf das passende Wetter warten, damit du ihn steigen lassen kannst.“ „Wie lange wird das dauern?“, fragte Antonia. „Das kann ich dir nicht sagen, mein Schatz. Wir müssen auf den richtigen Wind warten, denn ohne Wind wird dein Drache nicht fliegen können. Du musst einfach etwas Geduld haben.“

„Ich werde es versuchen. Aber ich würde meinen Drachen am liebsten heute schon steigen lassen. Das wäre schön.“ „Ich werde mir heute Abend den Wetterbericht für die nächsten Tage ansehen. Möglicherweise hast du Glück und für einen der nächsten Tage wird leichter Wind gemeldet. Dann können wir auf den kleinen Hügel gehen. Dort ist ein schöner Platz, an welchem wir deinen neuen Drachen steigen lassen können.“ „Ich würde mich sehr darüber freuen“, entgegnete Antonia und hoffte, dass der Wetterbericht für einen der nächsten Tage das passende Wetter zum Drachen steigen lassen vorhersagen würde.

Doch als sie am Abend das verneinende Kopfschütteln ihrer Mutter sah, zeigte sich Antonia sehr enttäuscht. Sie ging in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich. „Das ist blöd. Ich möchte meinen Drachen steigen lassen.“ Antonia ging zu ihrem Bett, auf welchem sie ihren Drachen abgelegt hatte. „Das ist so ein schöner Drache. Er gehört nicht auf mein Bett, sondern an den Himmel. Ich würde ihn so gerne dort oben sehen, aber ich muss mich noch gedulden. Irgendwann wird der passende Wind aufkommen. Da bin ich mir sicher.“ Antonia setzte sich neben ihren Drachen auf das Bett und betrachtete ihn. „Du wirst am Himmel wunderschön aussehen“, sprach sie leise.

Sieben Tage vergingen und das Wetter hielt immer noch keinen Wind bereit, welcher es Antonia ermöglicht hätte, ihren Drachen steigen zu lassen. Sie saß im Wohnzimmer und blickte aus dem Fenster, wobei sie stets einen Baum im Blickfeld hatte, denn sie hoffte, dass sie an den Blättern des Baumes erkennen würde, wann genügend Wind vorhanden wäre, um ihren Drachen steigen zu lassen.

Doch die Blätter des Baumes zeigten keinerlei Bewegung. „Das gibt es doch gar nicht“, sagte Antonia unzufrieden. „Wo bleibt der Wind? Der Herbst hat schon lange angefangen. Wie lange soll ich denn noch auf den passenden Wind warten?“ Antonia wurde spürbar ungeduldig. Sie musste weitere sieben Tage warten, ehe ihre Mutter zu ihr kam und eine gute Nachricht hatte.

„Ich habe eine gute Nachricht für dich und deinen Drachen, Antonia.“ „Kommt endlich der Wind, auf den ich so lange gewartet habe?“ „Ich habe mir heute Nachmittag die Wettervorhersage angesehen und wahrscheinlich wird morgen genug Wind gehen, sodass du deinen Drachen steigen lassen kannst.“ „Das ist super“, freute sich Antonia und lächelte.

„Aber freue dich nicht zu sehr. Es könnte trotzdem passieren, dass der Wind morgen nicht ausreicht, um deinen Drachen in die Luft zu bringen.“ „Ich bin zuversichtlich“, entgegnete Antonia. „Ich bin mir sicher, dass morgen der Tag ist, an dem sich mein Drache zum ersten Mal in die Lüfte erheben wird und ich freue mich sehr auf diesen Augenblick, denn ich habe den Drachen immerhin selbst bemalt.“

Als Antonia am nächsten Morgen aufwachte, ging sie sofort in das Wohnzimmer und schaute dort aus dem Fenster. Tatsächlich bewegten sich die Blätter des Baumes im Wind und Antonia zeigte ein fröhliches Gesicht. „Das sieht gut aus“, flüsterte sie leise.

Nach dem Frühstück packten Antonia und ihre Mutter alle Dinge zusammen, die sie benötigten, und machten sich auf den Weg zum kleinen Hügel. Dort hatten sich bereits andere Kinder mit ihren Eltern versammelt. „Wie es aussieht, sind nicht nur wir auf die Idee gekommen, heute einen Drachen steigen zu lassen“, sagte Antonias Mutter zu ihrer Tochter. „Ja, so sieht es aus“, antwortete Antonia.

„So, jetzt, da wir hier sind, sollten wir mal nachschauen, ob dein Drache auch in der Lage ist, zu fliegen. Oder wie siehst du das, mein Schatz?“ Antonia nickte nur bestätigend und stand mit ihrem Drachen in den Händen da. Sie nahm den Griff mit der Schnur des Drachens in die linke und den Drachen in die rechte Hand. Anschließend warf sie ihren Drachen ein wenig in Luft und rannte los.

Der Drache wurde schnell vom Wind erfasst und stieg in die Luft empor. Er stieg immer höher und irgendwann war er hoch genug, sodass Antonia nicht mehr rennen musste. Antonias Drachen blieb von alleine in der Luft. „Genau so habe ich mir das vorgestellt. Er sieht dort oben einfach wunderschön aus.“ Antonias Mutter kam zu ihr. Sie hielt ein Plakat in den Händen. „Was hast du da?“, fragte Antonia. „Das ist ein Werbeplakat.

Am nächsten Wochenende findet hier ein Drachenwettbewerb statt, bei welchem der beste Drachen gewählt wird. Magst du an diesem Wettbewerb teilnehmen?“ „Da fragst du noch? Natürlich möchte ich an diesem Drachenwettbewerb teilnehmen. Mein Drache hat bestimmt sehr gute Chancen. Schaue dir nur mal an, wie er dort oben fliegt. Er sieht toll aus. Ich werde an diesem Drachenwettberwerb teilnehmen und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn mein Drache bei dem Wettbewerb gut abschneiden würde, denn ich habe viel Zeit darin investiert, ihn anzumalen. Aber es hat sich gelohnt.“

Teil 2 – Der Drachenwettbewerb auf dem kleinen Hügel

Vor genau einer Woche konnte Antonia ihren Drachen zum ersten Mal steigen lassen. Sie musste lange darauf warten, denn der Wind war zunächst nicht ausreichend, um den Drachen einzusetzen. Als Antonias Mutter ihr ein Plakat zeigte, auf welchem ein Drachenwettbewerb beworben wurde, wollte sie unbedingt an diesem Wettbewerb teilnehmen. Antonia hatte eine Woche Zeit, um sich selbst und ihren Drachen auf den Wettbewerb vorzubereiten.

Sie hatte die Zeit genutzt und noch einige Veränderungen an dem Drachen vorgenommen. Antonia war zwar sehr zufrieden damit, wie er aussah, aber sie hat festgestellt, dass er noch einige Verschönerungsmaßnahmen hat gebrauchen können. Aus diesem Grund griff Antonia noch einmal zu Pinsel und Farbe, um den Drachen noch etwas zu verzieren. Nach ein paar Verschönerungsmaßnahmen war Antonia schließlich vollkommen zufrieden mit dem Aussehen ihres Fluggerätes. „Ja, so habe ich gute Chancen, beim Drachenwettbewerb gut abzuschneiden. Der Drache sieht gut aus“, sprach Antonia zufrieden aus.

Am Tag des Wettbewerbs griff sich Antonia ihren Drachen und ging gemeinsam mit ihrer Mutter zu dem kleinen Hügel. Auf diesem Hügel hatte Antonia den Drachen zum ersten Mal fliegen lassen. Das Plakat, welches den Wettbewerb beworben hatte, machte deutlich, dass man sich für den Drachenwettbewerb anmelden musste. Antonia und ihre Mutter gingen zur Anmeldung. Auf dem Hügel wurden ein paar Tische aufgestellt, an welchen einige Personen saßen.

Auf den Tischen lagen viele Formulare. „Hallo, meine Tochter möchte sich für den Wettbewerb anmelden. Sind wir hier richtig?“, fragte Antonias Mutter. „Ja, Sie sind hier richtig“, entgegnete eine Frau, welche offenbar zu den Veranstaltern des Wettbewerbs gehörte. „Bitte füllen Sie dieses Anmeldeformular aus.“ Die Frau reichte Antonias Mutter ein Blatt Papier. „Ich werde mich darum kümmern, mein Schatz. Wenn du magst, kannst du dir schon mal einen Platz suchen und deinen Drachen vorbereiten.“ „Okay, das werde ich tun“, meinte Antonia darauf.

Wie angekündigt kümmerte sich Antonias Mutter um die Anmeldung, sodass es Antonia möglich war, am Drachenwettbewerb auf dem kleinen Hügel teilzunehmen. Antonia bereitete ihr Fluggerät auf den bevorstehenden Wettbewerb vor. „Bist du bereit?“, fragte Antonias Mutter. „Ja, wann geht es los?“ „In etwa einer Stunde. Ich habe hier die Regeln für den Wettbewerb.“ „Und wie lauten die Regeln?“, fragte Antonia.

„Ich lese sie dir vor, mein Schatz. Der Wettbewerb läuft folgendermaßen ab. Sobald deine Startnummer aufgerufen wird, gehst du dort vorne in den markierten Bereich. Dort zeigst du den drei Punkterichtern deinen Drachen. Sie werden sich den Drachen genau ansehen und sein Äußeres bewerten. Danach möchten die Punkterichter sehen, ob dein Drachen fliegen kann. Dies ist der Zeitpunkt, an welchem du deinen Drachen in die Luft zu schicken hast. Die Punkterichter sehen sich also auch an, wie gut dein Drache fliegen kann. Am Ende werden alle Punkte der Punkterichter zusammengezählt. Hast du das verstanden?“

„Ja, das habe ich verstanden. Ich habe nur noch eine Frage. Welche Startnummer habe ich?“ Antonias Mutter schaute auf das Anmeldeformular, von welchem sie eine Kopie mitbekommen hatte. „Du hast die Startnummer 15, mein Schatz.“ „Startnummer 15? Dann dauert es nach dem Start des Wettbewerbs eine ganze Weile, ehe ich dran bin.“ „Das stimmt. Du hast die Gelegenheit, dir die anderen Drachen anzusehen. Nach dir werden bestimmt auch noch ein paar Kinder mit ihren Drachen an diesem Wettbewerb teilnehmen.“

Nach einer Stunde begann der Drachenwettbewerb. Antonia schaute sich zunächst die anderen Teilnehmer und deren Drachen an. Einige Kinder besaßen sehr hübsche Drachen, die mindestens ebenso schön aussahen wie der Drachen von Antonia. Antonia stellte fest, dass es schwer werden könnte, bei diesem Drachenwettbewerb zu gewinnen, aber dies war gar nicht ihr Ziel.

Ihr hätte es gereicht, von den Punkterichtern eine gute Bewertung für ihren Drachen zu erhalten. Eine gute Bewertung wäre für Antonia bereits ein großer Erfolg gewesen, da sie viel Zeit für die Bemalung ihres Drachens geopfert hatte. Ein Drache fiel Antonia ganz besonders auf, denn er sah sehr schön aus. Nach einiger Zeit wurde Antonias Startnummer aufgerufen.

„Jetzt bist du dran, mein Schatz. Ich wünsche dir viel Erfolg.“ Antonia bedankte sich bei ihrer Mutter, nahm ihr Fluggerät und ging in den markierten Bereich. Sie zeigte den drei Punkterichtern ihren Drachen, worauf diese ihn sehr genau anschauten und zufrieden nickten, was wohl bedeutete, dass ihnen der Drachen gefiel. „Jetzt lasse deinen Drachen bitte steigen“, meinte einer der Punkterichter. Antonia warf ihren Drachen in die Luft und rannte los, doch der Drache landete nach kurzer Zeit wieder auf dem Boden.

Es ging nicht genug Wind, so dass sich Antonias Drache nicht in die Lüfte erheben konnte, doch einer der Punkterichter sagte zu Antonia, dass dies nicht schlimm sei. Antonia wurde mitgeteilt, dass sie einfach ein wenig auf den passenden Wind warten solle. Nach wenigen Minuten ging wieder mehr Wind und Antonia startete den zweiten Versuch.

Dieses Mal schaffte sie es, den Drachen in die Luft zu bringen und die anderen Teilnehmer staunten, wie gut der Drachen von Antonia fliegen konnte. Die Punkterichter machten sich Notizen und sagten zu Antonia, dass sie ihr Fluggerät vom Himmel holen solle, da nun der nächste Teilnehmer an der Reihe sei.

Glaubst du, dass mein Drachen Chancen hat?“, fragte Antonia ihre Mutter. „Ich denke schon, mein Schatz. Du Punkterichter haben zufrieden gewirkt. Es werden jetzt noch vier Teilnehmer ihre Drachen präsentieren. Danach wird eine kleine Pause eingelegt, sodass die Punkterichter Zeit haben, um sich für einen Sieger zu entscheiden.“

„Ich hoffe, dass mein Drache gewinnen wird“, gab Antonia zu. Die drei Punkterichter forderten die Teilnehmer auf, sich in den markierten Bereich zu begeben. „Wir haben uns entschieden. Der dritte Platz geht an den Drachen von Max.“ Max ging zu den Punkterichtern und holte sich seine Urkunde ab. „Der zweite Platz geht an den Drachen von Antonia.“ Antonia strahlte vor Glück.

Sie hatte es geschafft, die Punkterichter mit ihrem Drachen zu überzeugen. Antonia holte sich ihre Urkunde ab. „Der erste Platz geht an den Drachen von Manuel.“ Der Drache, den Antonia besonders schön fand, gewann den Drachenwettbewerb. Antonia war mit ihrem zweiten Platz sehr zufrieden und nahm sich vor, den Drachen noch viele weitere Male steigen zu lassen, wenn es das Wetter erlauben würde.

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