Wenn man über „Tintenfische“ spricht, meint man im Alltag eigentlich alles, was irgendwie tentakelartig durchs Meer schwebt und Tinte verspritzen kann. Biologisch gesehen gehören Kraken, Kalmare, Sepien und Nautilus aber alle zur Gruppe der Kopffüßer – trotzdem unterscheiden sie sich ziemlich deutlich voneinander.
Krake, Kalmar, Sepia oder Nautilus – Was sind die Unterschiede?
Kraken – Die cleveren Einzelgänger
Kraken, auch Oktopusse genannt, sind wahrscheinlich die bekanntesten Kopffüßer. Ihr Körper ist weich und sackartig, ohne irgendeine Schale oder ein Skelett – dadurch können sie sich in die kleinsten Spalten quetschen. Typisch sind ihre acht gleich langen, mit Saugnäpfen besetzten Arme. Kraken sind absolute Einzelgänger und gelten als die schlauesten Wirbellosen überhaupt. Sie können Werkzeuge benutzen, aus Labyrinthen entkommen, und es gibt immer wieder Geschichten von Kraken, die in Aquarien nachts ausbrechen, um sich einen Snack zu holen und dann wieder in ihr Becken zurückzukehren.

Ihr Lebensraum ist meist der Meeresboden, vor allem in Küstennähe. Dort suchen sie sich eine Höhle oder einen Unterschlupf und nutzen ihre Tarnfähigkeiten, um sich vor Fressfeinden zu verstecken oder Beute zu überlisten. Kraken sind Meister der Verwandlung: Sie können nicht nur ihre Farbe, sondern auch die Struktur ihrer Haut verändern, sodass sie wie ein Stein, Sand oder Algen aussehen. Bei Gefahr verspritzen sie eine dunkle Tintenwolke, um zu entkommen. Ihre Ernährung ist ziemlich vielseitig – sie fressen alles, was sie überwältigen können, zum Beispiel Krabben, Muscheln oder kleine Fische.
Kalmare – Die schnellen Jäger der offenen See
Kalmare wirken auf den ersten Blick wie die sportlichen Cousins der Kraken. Sie haben einen länglichen, torpedoförmigen Körper, an dessen Seiten Flossen sitzen, und insgesamt zehn Arme: acht normale und zwei längere Fangarme, die sie wie Peitschen herausschleudern, um Beute zu schnappen. Im Inneren versteckt sich ein sogenannter Schulp – das ist eine Art flexible Stütze, die dem Körper Form gibt.
Kalmare sind echte Hochgeschwindigkeitsjäger und leben meistens im offenen Meer, oft weit weg von der Küste. Einige Arten tauchen in große Tiefen ab, andere bleiben näher an der Wasseroberfläche. Sie sind extrem beweglich und können mit ihrem Rückstoßantrieb blitzschnell durchs Wasser schießen – dabei ziehen sie Wasser in ihren Mantel ein und pressen es dann kraftvoll heraus, wie ein Jet. Viele Kalmare leben in Schwärmen, was sie zu einem beeindruckenden Anblick macht, wenn sie gemeinsam durchs Meer ziehen. Ihr Verhalten ist oft sozialer als das der Kraken, und sie kommunizieren untereinander mit Farbwechseln und Lichtsignalen. Auch Kalmare nutzen Tinte zur Verteidigung, sind aber weniger auf Tarnung spezialisiert als Kraken oder Sepien.
Sepien – Die Tarnkünstler mit dem „Knochen“
Sepien, auch als „Kuttelfische“ bekannt, sind die Chamäleons unter den Kopffüßern. Ihr Körper ist eher flach und oval, und sie besitzen große, seitliche Flossen, mit denen sie fast schwebend durchs Wasser gleiten. Genau wie Kalmare haben Sepien acht Arme und zwei längere Fangarme. Das auffälligste Merkmal ist aber die sogenannte Sepiaschale im Inneren – die ist porös und sorgt für Auftrieb. Die Sepiaschale kennt man übrigens auch als Vogelfutter, weil sie viel Kalzium enthält.
Sepien leben meist in flachen Küstengewässern, auf sandigem oder schlammigem Grund, wo sie sich tagsüber eingraben oder zwischen Seegras verstecken. Sie sind absolute Meister der Tarnung: Innerhalb von Sekunden können sie Farbe, Muster und sogar die Oberfläche ihrer Haut verändern, um sich perfekt an ihre Umgebung anzupassen – egal ob Sand, Steine oder Algen. Diese Fähigkeit nutzen sie nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Jagd, um sich an Beute heranzupirschen. Sie ernähren sich von kleinen Fischen, Garnelen und Krebsen. Sepien sind zudem recht neugierig und können sogar mit Tauchern interagieren. Bei Gefahr verspritzen auch sie eine Tintenwolke.
Nautilus – Das lebende Fossil mit der Spiralschale
Der Nautilus ist sozusagen der Außenseiter unter den Kopffüßern – und ein echtes Relikt aus der Urzeit. Anders als Kraken, Kalmare und Sepien hat der Nautilus eine harte, spiralige Außenschale, die in mehrere Kammern unterteilt ist. Diese Kammern kann er mit Gas oder Wasser füllen, um seinen Auftrieb zu regulieren – quasi wie ein U-Boot. Ein weiteres Merkmal: Statt acht oder zehn Armen hat der Nautilus bis zu 90 dünne, kurze Tentakel, die keine Saugnäpfe haben, sondern klebrige Oberflächen.
Nautilusse leben in tiefen tropischen Meeren, meist in 100 bis 500 Metern Tiefe, und steigen nachts in flachere Bereiche auf, um Nahrung zu suchen. Sie bewegen sich eher langsam und schweben gemächlich durchs Wasser, indem sie Wasser aus ihrer Mantelhöhle herauspressen. Nautilusse sind keine großen Jäger – sie ernähren sich von Aas, kleinen Krebsen und Fischresten. Im Gegensatz zu den anderen Kopffüßern können sie ihre Farbe nicht wechseln und haben keinen Tintenbeutel. Ihr Verhalten ist eher simpel, und sie gelten als wenig lernfähig. Trotzdem sind sie faszinierend, weil sie sich seit Millionen Jahren kaum verändert haben und quasi als „lebende Fossilien“ gelten.
Wenn man die Unterschiede zusammenfasst, merkt man: Kraken haben acht Arme und keine Schale, sind super schlau und leben am Boden. Kalmare und Sepien haben beide zehn Arme, aber Kalmare sind die schnellen Schwimmer mit Schulp, während Sepien die mit der Sepiaschale und den großen Flossen sind. Nautilus ist der einzige mit einer harten Außenschale und vielen kleinen Tentakeln – und der Einzige ohne Tintenbeutel und Tarn-Tricks.
Wenn Leute vom „Tintenfisch“ reden, meinen sie meistens einfach irgendein seltsames, glitschiges Meereswesen mit vielen Armen – vielleicht was Gruseliges aus der Tiefsee oder das, was auf der Pizza landet.
In Wirklichkeit ist der Begriff aber ziemlich ungenau. Biologisch gesehen gehören die sogenannten „Tintenfische“ zu den Kopffüßern, einer faszinierenden Tiergruppe, zu der Kraken, Kalmare, Sepien und Nautilus zählen. Was sie verbindet: Sie haben alle ihren Kopf direkt mit ihren Armen verbunden, sind ziemlich schlau und können, zumindest die meisten von ihnen, bei Gefahr eine Tintenwolke verspritzen. Trotzdem sind sie extrem unterschiedlich gebaut, leben in ganz verschiedenen Ecken des Meeres und haben ihren eigenen, ganz speziellen Lebensstil. Wer also denkt, Kraken, Kalmare, Sepien und Nautilus wären einfach nur verschiedene Namen für ein und dasselbe Tier, wird schnell merken: Da steckt viel mehr dahinter!


















