In den letzten Jahren beobachten Meteorologen und Klimaforscher eine deutliche Zunahme von heftigen Gewittern in Deutschland und Mitteleuropa. Ursache dafür ist der Klimawandel, der für wärmere Temperaturen, mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre und damit für eine höhere Energie sorgt. Diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Unwettern mit starken Blitzen, Starkregen und Sturmböen. Für uns alle bedeutet das: Wir müssen unser Verhalten anpassen, um uns und unsere Familien zu schützen – und zwar in allen Lebensbereichen.
Wie verhalte ich mich bei Gewitter richtig?
Ob zu Hause, im Garten, beim Sport, auf Reisen, beim Camping, beim Schwimmen, im Auto, beim Wandern, bei der Arbeit, in der Schule oder auf dem Spielplatz – jede Situation erfordert gezielte Vorsichtsmaßnahmen. Besonders wichtig ist es, Kindern diese Regeln frühzeitig und verständlich zu vermitteln, damit sie im Ernstfall richtig reagieren können.
Zuhause – Schutz in den eigenen vier Wänden
Das eigene Zuhause gilt bei Gewitter als einer der sichersten Orte, doch auch innerhalb der eigenen vier Wände gibt es wichtige Vorsichtsmaßnahmen, um sich und die Familie optimal zu schützen. Die Grundregel lautet: Halten Sie sich während eines Gewitters im Haus auf und vermeiden Sie unnötige Wege nach draußen, bis das Unwetter vollständig vorüber ist.

Zu Beginn eines Gewitters sollten alle Fenster und Türen sorgfältig geschlossen werden. Dies schützt nicht nur vor eindringendem Regen und Wind, sondern verhindert auch, dass Blitzeinschläge oder Druckwellen Schäden an der Bausubstanz verursachen. Besonders Dachfenster, Kellerfenster und Terrassentüren werden oft vergessen – gehen Sie also am besten noch einmal einen Kontrollgang durch das Haus.
Ein ganz zentrales Thema ist der Umgang mit elektrischen Geräten. Moderne Haushalte sind voll von empfindlicher Elektronik: Fernseher, Computer, WLAN-Router, Spielekonsolen, Musikanlagen, Küchengeräte, Ladegeräte für Handys und Tablets. Ein Blitzeinschlag in der Nähe kann zu enormen Stromschwankungen und Überspannungen im Stromnetz führen. Diese Überspannungen werden nicht nur über die Steckdosen, sondern auch über Telefon- und Antennenkabel ins Haus geleitet und können Geräte zerstören oder sogar Brände auslösen. Ziehen Sie deshalb alle nicht zwingend benötigten Geräte aus der Steckdose. Besonders wichtig ist das bei teuren oder sensiblen Geräten sowie bei Geräten, die permanent am Stromnetz hängen (z. B. Router, PC, Fernseher, Kaffeemaschine). Überspannungsschutz-Steckdosen bieten einen gewissen Schutz, sind aber nicht hundertprozentig sicher.
Ein weiterer, oft unterschätzter Gefahrenpunkt sind Wasserleitungen. Blitze können über das Erdreich in metallische Wasserrohre einschlagen und so ins Haus gelangen. Deshalb sollte man während eines Gewitters auf das Duschen, Baden, Abwaschen oder auch das Nutzen der Waschmaschine verzichten. Zwar bestehen moderne Badewannen und Leitungen häufig aus Kunststoff, wodurch das Risiko geringer ist als früher mit Metallwannen und -leitungen. Dennoch gibt es keine absolute Sicherheit, da in vielen Häusern noch Metallbestandteile verbaut sind und Wasser selbst ein ausgezeichneter Stromleiter ist. Im Zweifelsfall gilt: Hygiene kann warten – duschen und baden Sie lieber nach dem Gewitter.
Auch das Telefonieren mit einem fest angeschlossenen Festnetztelefon ist während eines Gewitters riskant, da Blitze über die Telefonleitungen ins Haus einschlagen können. Schnurlose Telefone oder Mobiltelefone sind dagegen ungefährlich, solange sie nicht am Ladegerät hängen.
Ein oft übersehener Aspekt ist die Gefahr durch große Fensterflächen, verglaste Türen, Wintergärten oder Balkone. Bei einem nahen Blitzeinschlag kann der Luftdruck so stark steigen, dass Fensterscheiben bersten oder sogar Glassplitter durch den Raum geschleudert werden. Halten Sie sich während des Gewitters möglichst entfernt von großen Fenstern und meiden Sie Aufenthalte auf dem Balkon oder in Wintergärten. Ziehen Sie Vorhänge oder Rollos zu, um sich zusätzlich zu schützen.
Für Familien ist es besonders wichtig, Kinder über diese Regeln aufzuklären und gemeinsam zu üben, wie man sich im Haus verhält. Erklären Sie, warum es wichtig ist, Geräte auszustecken oder das Bad zu meiden. Zeigen Sie Ihren Kindern, wie sie elektrische Geräte sicher vom Netz trennen und wo sie sich im Haus während eines Gewitters am sichersten aufhalten – zum Beispiel in einem Raum ohne große Fenster und weit entfernt von Wasserleitungen und Steckdosen. Wiederholen Sie diese Abläufe regelmäßig, damit sie im Ernstfall zur Routine werden.
Zusammengefasst:
- Bleiben Sie während des Gewitters immer im Haus.
- Schließen Sie alle Fenster, Türen, Dachfenster und Kellerfenster.
- Ziehen Sie alle nicht benötigten elektrischen Geräte aus der Steckdose.
- Nutzen Sie keine Wasserleitungen: Duschen, Baden, Abwaschen, Waschen besser verschieben.
- Telefonieren Sie nicht mit fest angeschlossenen Festnetztelefonen.
- Halten Sie Abstand zu großen Fenstern, verglasten Türen und Balkonen.
- Erklären Sie Kindern die Regeln und üben Sie gemeinsam das richtige Verhalten.
Garten, Terrasse und Balkon – Vorsicht vor Metall und Wasser
Die warmen Monate laden dazu ein, viel Zeit im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon zu verbringen – sei es beim Grillen, Gärtnern, Spielen, Planschen oder einfach beim Entspannen. Doch sobald sich ein Gewitter ankündigt, ist besondere Vorsicht geboten, denn gerade im Außenbereich lauern bei Blitz und Donner zahlreiche Gefahren, die oft unterschätzt werden.
Sobald Sie das erste Donnergrollen hören oder dunkle, bedrohliche Wolken aufziehen, sollten sämtliche Aktivitäten im Freien sofort beendet werden. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder. Elektrisch betriebene Gartengeräte wie Rasenmäher, Heckenscheren, Wasserpumpen, Hochdruckreiniger oder elektrische Grills müssen umgehend ausgeschaltet und aus der Steckdose gezogen werden. Ein Blitzeinschlag kann zu massiven Überspannungen führen, die nicht nur die Geräte zerstören, sondern auch lebensgefährliche Stromschläge verursachen können. Denken Sie daran, dass auch fest installierte Gartenbeleuchtung, Teichpumpen oder elektrische Rollläden vom Strom getrennt werden sollten, wenn dies gefahrlos möglich ist.
Metallische Gegenstände sind im Garten besonders häufig zu finden – dazu zählen Leitern, Gießkannen, Schaufeln, Spaten, Schubkarren, Spielgeräte, Fahrräder, Roller oder Trampoline. All diese Dinge ziehen Blitze zwar nicht direkt an, leiten aber bei einem Einschlag den Strom besonders gut weiter und erhöhen so das Verletzungsrisiko erheblich. Lassen Sie diese Gegenstände deshalb stehen und berühren Sie sie während eines Gewitters nicht. Kinderfahrzeuge, Bobbycars, Roller oder Fahrräder sollten ebenfalls nicht benutzt und möglichst nicht im Freien abgestellt werden, um nach dem Gewitter keine unerwarteten Stromreste zu übertragen.
Auch Wasser ist ein hervorragender Stromleiter – das gilt sowohl für den großen Pool als auch für das Planschbecken, den Gartenteich, das Wasserfass oder das Spielen mit dem Gartenschlauch. Jegliche Wasseraktivität ist bei Gewitter tabu! Wer im Pool oder Planschbecken ist, sollte dieses sofort verlassen und sich ins Haus begeben. Auch das Bewässern des Gartens mit Schlauch oder Gießkanne sollte sofort eingestellt werden, da ein Blitzeinschlag in der Nähe über das Wasser zum Menschen gelangen kann. Selbst das Stehen auf nassem Rasen oder das Spielen auf feuchtem Untergrund kann gefährlich werden, da Feuchtigkeit die Leitfähigkeit des Bodens deutlich erhöht.
Viele Menschen suchen bei Gewitter Schutz unter Pavillons, Pergolen, Gartenhäuschen, Carports oder Sonnenschirmen. Diese bieten jedoch keinen ausreichenden Schutz, da sie in der Regel keine geschlossene Metallhülle besitzen, die wie ein Faraday’scher Käfig wirkt. Besonders gefährlich sind Konstruktionen mit Metallgestänge oder Metallüberdachung, da der Strom bei einem Einschlag direkt in die Umgebung abgeleitet werden kann. Auch Holz- oder Kunststoffdächer halten keinen Blitz auf. Das einzige, was wirklich schützt, ist ein festes Gebäude mit geschlossenen Fenstern und Türen oder ein Auto mit Metallkarosserie.
Achten Sie außerdem darauf, dass keine Kabel, Verlängerungsschnüre oder elektrische Geräte im Freien liegen bleiben. Nach dem Gewitter sollten Sie vor der erneuten Benutzung kontrollieren, ob Geräte, Kabel oder Metallgegenstände eventuell beschädigt wurden oder noch feucht sind.
Ein Tipp für Familien: Erklären Sie Ihren Kindern schon im Vorfeld, warum es wichtig ist, bei Gewitter sofort ins Haus zu gehen und weder im Pool zu bleiben noch mit Metallspielzeug zu spielen. Üben Sie gemeinsam, wie man schnell und sicher alle Geräte aussteckt und alle Spielsachen ins Haus bringt. So sind im Ernstfall alle Handgriffe bekannt und niemand gerät in Panik.
Zusammengefasst:
- Beenden Sie bei Gewitterwarnung alle Aktivitäten im Freien sofort.
- Schalten Sie elektrische Geräte aus und trennen Sie sie vom Netz.
- Berühren Sie keine Metallgegenstände und lassen Sie Kinderfahrzeuge stehen.
- Verlassen Sie Pools, Planschbecken und Wasserflächen sofort.
- Suchen Sie Schutz in einem festen Gebäude – Pavillons, Gartenhäuschen und Carports bieten keinen sicheren Schutz.
- Erklären Sie Kindern die Gefahren und üben Sie das richtige Verhalten regelmäßig.
Freie Flächen, Sportplätze und Schulhöfe
Auf weitläufigen, offenen Flächen wie Feldern, Wiesen, Golfplätzen, Sportanlagen, Schulhöfen oder auch Parkplätzen ist das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, besonders hoch. Das liegt daran, dass Menschen auf solchen Flächen meist die höchsten Objekte weit und breit sind und der Blitz sich bevorzugt den kürzesten Weg zur Erde sucht – nämlich über den höchsten Punkt. Besonders gefährlich ist es, wenn sich viele Menschen gleichzeitig auf einer solchen Fläche aufhalten, etwa bei Sportveranstaltungen, Schulsport, Kinderfesten, Picknicks oder Open-Air-Veranstaltungen.

Bei der ersten Gewitterwarnung oder schon beim leisesten Donnergrollen sollten daher alle Aktivitäten im Freien sofort abgebrochen werden. Das betrifft nicht nur organisierte Sportarten wie Fußball, Tennis, Leichtathletik oder Golf, sondern auch Freizeitspiele, das Herumtollen auf dem Spielplatz, Fahrradfahren, Skateboarden oder das Spazierengehen mit dem Hund. Trainer, Lehrer, Aufsichtspersonen und Eltern tragen hier eine besondere Verantwortung: Sie müssen die Situation richtig einschätzen, das Spiel oder Training sofort unterbrechen und alle Beteiligten zum Schutz auffordern – auch wenn das Wetter noch gar nicht bedrohlich aussieht. „Richtiges Verhalten bei Gewitter“ weiterlesen