In den letzten Jahren beobachten Meteorologen und Klimaforscher eine deutliche Zunahme von heftigen Gewittern in Deutschland und Mitteleuropa. Ursache dafür ist der Klimawandel, der für wärmere Temperaturen, mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre und damit für eine höhere Energie sorgt. Diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Unwettern mit starken Blitzen, Starkregen und Sturmböen. Für uns alle bedeutet das: Wir müssen unser Verhalten anpassen, um uns und unsere Familien zu schützen – und zwar in allen Lebensbereichen.
Wie verhalte ich mich bei Gewitter richtig?
Ob zu Hause, im Garten, beim Sport, auf Reisen, beim Camping, beim Schwimmen, im Auto, beim Wandern, bei der Arbeit, in der Schule oder auf dem Spielplatz – jede Situation erfordert gezielte Vorsichtsmaßnahmen. Besonders wichtig ist es, Kindern diese Regeln frühzeitig und verständlich zu vermitteln, damit sie im Ernstfall richtig reagieren können.
Zuhause – Schutz in den eigenen vier Wänden
Das eigene Zuhause gilt bei Gewitter als einer der sichersten Orte, doch auch innerhalb der eigenen vier Wände gibt es wichtige Vorsichtsmaßnahmen, um sich und die Familie optimal zu schützen. Die Grundregel lautet: Halten Sie sich während eines Gewitters im Haus auf und vermeiden Sie unnötige Wege nach draußen, bis das Unwetter vollständig vorüber ist.

Zu Beginn eines Gewitters sollten alle Fenster und Türen sorgfältig geschlossen werden. Dies schützt nicht nur vor eindringendem Regen und Wind, sondern verhindert auch, dass Blitzeinschläge oder Druckwellen Schäden an der Bausubstanz verursachen. Besonders Dachfenster, Kellerfenster und Terrassentüren werden oft vergessen – gehen Sie also am besten noch einmal einen Kontrollgang durch das Haus.
Ein ganz zentrales Thema ist der Umgang mit elektrischen Geräten. Moderne Haushalte sind voll von empfindlicher Elektronik: Fernseher, Computer, WLAN-Router, Spielekonsolen, Musikanlagen, Küchengeräte, Ladegeräte für Handys und Tablets. Ein Blitzeinschlag in der Nähe kann zu enormen Stromschwankungen und Überspannungen im Stromnetz führen. Diese Überspannungen werden nicht nur über die Steckdosen, sondern auch über Telefon- und Antennenkabel ins Haus geleitet und können Geräte zerstören oder sogar Brände auslösen. Ziehen Sie deshalb alle nicht zwingend benötigten Geräte aus der Steckdose. Besonders wichtig ist das bei teuren oder sensiblen Geräten sowie bei Geräten, die permanent am Stromnetz hängen (z. B. Router, PC, Fernseher, Kaffeemaschine). Überspannungsschutz-Steckdosen bieten einen gewissen Schutz, sind aber nicht hundertprozentig sicher.
Ein weiterer, oft unterschätzter Gefahrenpunkt sind Wasserleitungen. Blitze können über das Erdreich in metallische Wasserrohre einschlagen und so ins Haus gelangen. Deshalb sollte man während eines Gewitters auf das Duschen, Baden, Abwaschen oder auch das Nutzen der Waschmaschine verzichten. Zwar bestehen moderne Badewannen und Leitungen häufig aus Kunststoff, wodurch das Risiko geringer ist als früher mit Metallwannen und -leitungen. Dennoch gibt es keine absolute Sicherheit, da in vielen Häusern noch Metallbestandteile verbaut sind und Wasser selbst ein ausgezeichneter Stromleiter ist. Im Zweifelsfall gilt: Hygiene kann warten – duschen und baden Sie lieber nach dem Gewitter.
Auch das Telefonieren mit einem fest angeschlossenen Festnetztelefon ist während eines Gewitters riskant, da Blitze über die Telefonleitungen ins Haus einschlagen können. Schnurlose Telefone oder Mobiltelefone sind dagegen ungefährlich, solange sie nicht am Ladegerät hängen.
Ein oft übersehener Aspekt ist die Gefahr durch große Fensterflächen, verglaste Türen, Wintergärten oder Balkone. Bei einem nahen Blitzeinschlag kann der Luftdruck so stark steigen, dass Fensterscheiben bersten oder sogar Glassplitter durch den Raum geschleudert werden. Halten Sie sich während des Gewitters möglichst entfernt von großen Fenstern und meiden Sie Aufenthalte auf dem Balkon oder in Wintergärten. Ziehen Sie Vorhänge oder Rollos zu, um sich zusätzlich zu schützen.
Für Familien ist es besonders wichtig, Kinder über diese Regeln aufzuklären und gemeinsam zu üben, wie man sich im Haus verhält. Erklären Sie, warum es wichtig ist, Geräte auszustecken oder das Bad zu meiden. Zeigen Sie Ihren Kindern, wie sie elektrische Geräte sicher vom Netz trennen und wo sie sich im Haus während eines Gewitters am sichersten aufhalten – zum Beispiel in einem Raum ohne große Fenster und weit entfernt von Wasserleitungen und Steckdosen. Wiederholen Sie diese Abläufe regelmäßig, damit sie im Ernstfall zur Routine werden.
Zusammengefasst:
- Bleiben Sie während des Gewitters immer im Haus.
- Schließen Sie alle Fenster, Türen, Dachfenster und Kellerfenster.
- Ziehen Sie alle nicht benötigten elektrischen Geräte aus der Steckdose.
- Nutzen Sie keine Wasserleitungen: Duschen, Baden, Abwaschen, Waschen besser verschieben.
- Telefonieren Sie nicht mit fest angeschlossenen Festnetztelefonen.
- Halten Sie Abstand zu großen Fenstern, verglasten Türen und Balkonen.
- Erklären Sie Kindern die Regeln und üben Sie gemeinsam das richtige Verhalten.
Garten, Terrasse und Balkon – Vorsicht vor Metall und Wasser
Die warmen Monate laden dazu ein, viel Zeit im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon zu verbringen – sei es beim Grillen, Gärtnern, Spielen, Planschen oder einfach beim Entspannen. Doch sobald sich ein Gewitter ankündigt, ist besondere Vorsicht geboten, denn gerade im Außenbereich lauern bei Blitz und Donner zahlreiche Gefahren, die oft unterschätzt werden.
Sobald Sie das erste Donnergrollen hören oder dunkle, bedrohliche Wolken aufziehen, sollten sämtliche Aktivitäten im Freien sofort beendet werden. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder. Elektrisch betriebene Gartengeräte wie Rasenmäher, Heckenscheren, Wasserpumpen, Hochdruckreiniger oder elektrische Grills müssen umgehend ausgeschaltet und aus der Steckdose gezogen werden. Ein Blitzeinschlag kann zu massiven Überspannungen führen, die nicht nur die Geräte zerstören, sondern auch lebensgefährliche Stromschläge verursachen können. Denken Sie daran, dass auch fest installierte Gartenbeleuchtung, Teichpumpen oder elektrische Rollläden vom Strom getrennt werden sollten, wenn dies gefahrlos möglich ist.
Metallische Gegenstände sind im Garten besonders häufig zu finden – dazu zählen Leitern, Gießkannen, Schaufeln, Spaten, Schubkarren, Spielgeräte, Fahrräder, Roller oder Trampoline. All diese Dinge ziehen Blitze zwar nicht direkt an, leiten aber bei einem Einschlag den Strom besonders gut weiter und erhöhen so das Verletzungsrisiko erheblich. Lassen Sie diese Gegenstände deshalb stehen und berühren Sie sie während eines Gewitters nicht. Kinderfahrzeuge, Bobbycars, Roller oder Fahrräder sollten ebenfalls nicht benutzt und möglichst nicht im Freien abgestellt werden, um nach dem Gewitter keine unerwarteten Stromreste zu übertragen.
Auch Wasser ist ein hervorragender Stromleiter – das gilt sowohl für den großen Pool als auch für das Planschbecken, den Gartenteich, das Wasserfass oder das Spielen mit dem Gartenschlauch. Jegliche Wasseraktivität ist bei Gewitter tabu! Wer im Pool oder Planschbecken ist, sollte dieses sofort verlassen und sich ins Haus begeben. Auch das Bewässern des Gartens mit Schlauch oder Gießkanne sollte sofort eingestellt werden, da ein Blitzeinschlag in der Nähe über das Wasser zum Menschen gelangen kann. Selbst das Stehen auf nassem Rasen oder das Spielen auf feuchtem Untergrund kann gefährlich werden, da Feuchtigkeit die Leitfähigkeit des Bodens deutlich erhöht.
Viele Menschen suchen bei Gewitter Schutz unter Pavillons, Pergolen, Gartenhäuschen, Carports oder Sonnenschirmen. Diese bieten jedoch keinen ausreichenden Schutz, da sie in der Regel keine geschlossene Metallhülle besitzen, die wie ein Faraday’scher Käfig wirkt. Besonders gefährlich sind Konstruktionen mit Metallgestänge oder Metallüberdachung, da der Strom bei einem Einschlag direkt in die Umgebung abgeleitet werden kann. Auch Holz- oder Kunststoffdächer halten keinen Blitz auf. Das einzige, was wirklich schützt, ist ein festes Gebäude mit geschlossenen Fenstern und Türen oder ein Auto mit Metallkarosserie.
Achten Sie außerdem darauf, dass keine Kabel, Verlängerungsschnüre oder elektrische Geräte im Freien liegen bleiben. Nach dem Gewitter sollten Sie vor der erneuten Benutzung kontrollieren, ob Geräte, Kabel oder Metallgegenstände eventuell beschädigt wurden oder noch feucht sind.
Ein Tipp für Familien: Erklären Sie Ihren Kindern schon im Vorfeld, warum es wichtig ist, bei Gewitter sofort ins Haus zu gehen und weder im Pool zu bleiben noch mit Metallspielzeug zu spielen. Üben Sie gemeinsam, wie man schnell und sicher alle Geräte aussteckt und alle Spielsachen ins Haus bringt. So sind im Ernstfall alle Handgriffe bekannt und niemand gerät in Panik.
Zusammengefasst:
- Beenden Sie bei Gewitterwarnung alle Aktivitäten im Freien sofort.
- Schalten Sie elektrische Geräte aus und trennen Sie sie vom Netz.
- Berühren Sie keine Metallgegenstände und lassen Sie Kinderfahrzeuge stehen.
- Verlassen Sie Pools, Planschbecken und Wasserflächen sofort.
- Suchen Sie Schutz in einem festen Gebäude – Pavillons, Gartenhäuschen und Carports bieten keinen sicheren Schutz.
- Erklären Sie Kindern die Gefahren und üben Sie das richtige Verhalten regelmäßig.
Freie Flächen, Sportplätze und Schulhöfe
Auf weitläufigen, offenen Flächen wie Feldern, Wiesen, Golfplätzen, Sportanlagen, Schulhöfen oder auch Parkplätzen ist das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, besonders hoch. Das liegt daran, dass Menschen auf solchen Flächen meist die höchsten Objekte weit und breit sind und der Blitz sich bevorzugt den kürzesten Weg zur Erde sucht – nämlich über den höchsten Punkt. Besonders gefährlich ist es, wenn sich viele Menschen gleichzeitig auf einer solchen Fläche aufhalten, etwa bei Sportveranstaltungen, Schulsport, Kinderfesten, Picknicks oder Open-Air-Veranstaltungen.

Bei der ersten Gewitterwarnung oder schon beim leisesten Donnergrollen sollten daher alle Aktivitäten im Freien sofort abgebrochen werden. Das betrifft nicht nur organisierte Sportarten wie Fußball, Tennis, Leichtathletik oder Golf, sondern auch Freizeitspiele, das Herumtollen auf dem Spielplatz, Fahrradfahren, Skateboarden oder das Spazierengehen mit dem Hund. Trainer, Lehrer, Aufsichtspersonen und Eltern tragen hier eine besondere Verantwortung: Sie müssen die Situation richtig einschätzen, das Spiel oder Training sofort unterbrechen und alle Beteiligten zum Schutz auffordern – auch wenn das Wetter noch gar nicht bedrohlich aussieht.
Suchen Sie so schnell wie möglich das nächstgelegene feste Gebäude auf. Das kann ein Vereinsheim, eine Umkleidekabine, eine Turnhalle, ein Schulgebäude, eine Gaststätte oder auch ein Toilettenhäuschen mit massiven Wänden und Dach sein. Alternativ bietet ein Auto mit geschlossener Metallkarosserie einen hervorragenden Schutz. Achten Sie darauf, dass alle Fenster und Türen geschlossen sind und niemand Kontakt zu Metallteilen im Auto hat. Cabrios, Wohnmobile mit Kunststoffdach, offene Unterstände, Zelte oder Holzhütten bieten hingegen keinen ausreichenden Schutz.
Falls kein schützendes Gebäude oder Auto in erreichbarer Nähe ist, gilt es, das Risiko so weit wie möglich zu minimieren: Suchen Sie eine Bodenvertiefung, Mulde oder Senke auf, um die eigene Körperhöhe zu verringern. Hocken Sie sich mit eng zusammenstehenden Füßen und möglichst kleiner Körperfläche auf den Boden – am besten auf eine isolierende Unterlage wie eine Sporttasche, einen Rucksack oder eine zusammengelegte Jacke. Legen Sie sich auf keinen Fall flach auf den Boden, denn bei einem Blitzeinschlag breitet sich der Strom kreisförmig über die Erdoberfläche aus (Stichwort Schrittspannung), was zu schweren Verletzungen führen kann.
Alle metallischen Sportgeräte – wie Golfschläger, Tennisschläger, Hockeyschläger, Fahrräder, Skateboards, Scooter, aber auch Zäune, Tore, Netze und Tribünen aus Metall – sollten abgelegt und mindestens zehn Meter entfernt abgelegt werden. Metall leitet den Blitzstrom besonders gut und kann so das Verletzungsrisiko deutlich erhöhen. Auch Handys, Schlüsselbunde, Uhren oder Schmuck aus Metall sollten während eines Gewitters nicht am Körper getragen werden, wenn Sie sich im Freien aufhalten.
Für Gruppen gilt: Verteilen Sie sich mit ausreichend Abstand zueinander, damit im Falle eines Blitzschlags nicht mehrere Personen gleichzeitig verletzt werden. Halten Sie mindestens einige Meter Abstand zu anderen Personen und vermeiden Sie es, sich gegenseitig zu berühren.
Nach dem Gewitter sollten Sie mindestens 30 Minuten abwarten, bevor Sie die geschützten Bereiche verlassen, da sogenannte Nachzügler-Blitze auftreten können. Erst wenn kein Donner mehr zu hören ist, können die Aktivitäten im Freien wieder aufgenommen werden.
Ein Tipp für Eltern, Lehrer und Trainer: Besprechen Sie das richtige Verhalten bei Gewitter regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen. Machen Sie deutlich, dass es keine Mutprobe ist, im Regen weiterzuspielen, sondern lebenswichtig, bei Gewitter Schutz zu suchen. Wiederholen Sie die wichtigsten Regeln und üben Sie gemeinsam, wie man sich im Notfall schnell und sicher verhält.
Zusammengefasst:
- Bei den ersten Anzeichen eines Gewitters sofort alle Aktivitäten auf offenen Flächen beenden.
- Das nächste feste Gebäude oder ein geschlossenes Auto aufsuchen.
- Keine Zelte, Holzhütten oder offene Unterstände als Schutz nutzen.
- Metallische Sportgeräte ablegen und Abstand halten.
- Bei fehlendem Unterschlupf in eine Mulde hocken, Füße zusammen, Körperfläche klein machen.
- Gruppen verteilen sich mit Abstand.
- Nach dem Gewitter mindestens 30 Minuten warten, bevor man ins Freie zurückkehrt.
Wald und Parkanlagen
Im Wald und in Parkanlagen ist die Gefahr durch Blitzeinschläge und herabfallende Äste besonders groß – oft sogar größer als auf freien Flächen, weil die Risiken hier vielfältiger und schwerer einzuschätzen sind. Besonders gefährlich sind einzelne, hoch aufragende Bäume, exponierte Waldränder und offene Lichtungen. Der Grund: Blitze suchen sich bevorzugt den höchsten Punkt in der Umgebung, und ein einzelner Baum oder eine Baumgruppe am Rand eines Waldes wirkt auf einen Blitz wie ein Magnet. Auch auf Lichtungen, wo der Mensch oder ein einzelner Baum besonders herausragt, ist das Risiko eines Einschlags deutlich erhöht.
Die bekannte Redensart „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“ ist wissenschaftlich längst widerlegt und kann sogar zu lebensgefährlichen Fehleinschätzungen führen. Es gibt keinen Baum, der bei Gewitter sicher ist – weder Eiche noch Buche, weder Nadel- noch Laubbaum.
Jeder Baum, der aus seiner Umgebung herausragt, kann vom Blitz getroffen werden. Tatsächlich ist es so, dass der Blitz in erster Linie den höchsten und am besten leitenden Punkt sucht, unabhängig von der Baumart. Auch die vermeintliche Schutzwirkung von Buchen ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält, aber durch zahlreiche Unfälle widerlegt wurde.
Wenn Sie während eines Gewitters im Wald oder in einer Parkanlage unterwegs sind, sollten Sie gezielt nach einem Bereich suchen, in dem viele gleich hohe Bäume dicht beieinanderstehen. Am sichersten ist es, sich in eine Senke oder Mulde zu begeben, denn dort ist die Wahrscheinlichkeit eines direkten Blitzeinschlags am geringsten. Vermeiden Sie unbedingt einzelne Bäume, Baumgruppen am Waldrand, Lichtungen und offene Flächen. Halten Sie auch Abstand zu Bachläufen oder feuchten Senken, weil Wasser den Strom besonders gut leitet.
Ein besonders wichtiger Schutzfaktor ist der Abstand zu Baumstämmen: Halten Sie idealerweise mindestens zehn Meter Abstand zu jedem Stamm, nicht nur zwei Meter, wie oft empfohlen wird. Der Grund: Bei einem Blitzeinschlag kann der Strom nicht nur durch den Stamm, sondern auch über die feuchte Rinde, Äste und vor allem über das Wurzelwerk in den Boden und von dort auf Menschen überspringen, die sich zu nah am Baum aufhalten. Auch tief hängende Äste sind gefährlich, da sie bei Sturm oder nach einem Blitzeinschlag abbrechen und zu schweren Verletzungen führen können. Gerade bei starkem Wind brechen Äste oft unerwartet ab, noch bevor der Blitz einschlägt.
Um das Risiko eines Stromschlags durch sogenannte Schrittspannung zu minimieren, sollten Sie sich auf die Fußballen hocken, die Füße eng zusammenhalten und möglichst auf eine isolierende Unterlage setzen – etwa auf einen Rucksack, eine Isomatte oder eine zusammengefaltete, trockene Jacke. Diese Haltung verringert die Kontaktfläche zum Boden und damit die Gefahr, dass der Strom bei einem nahen Blitzeinschlag durch den Körper fließt. Legen Sie sich keinesfalls flach auf den Boden, denn nach einem Blitzeinschlag breitet sich die elektrische Energie kreisförmig über die Erdoberfläche aus. Wer mit dem ganzen Körper auf dem Boden liegt, riskiert, dass der Strom auf einer großen Fläche in den Körper eindringt und schwere Verletzungen verursacht.
Wenn Sie in einer Gruppe unterwegs sind, gilt: Verteilen Sie sich großzügig im Gelände, sodass jede Person mit ausreichend Abstand – mindestens mehrere Meter – zu den anderen hockt. Dadurch wird verhindert, dass bei einem Blitzeinschlag mehrere Menschen gleichzeitig verletzt werden, etwa durch Bodenströme oder herabfallende Äste. Sprechen Sie sich ab, dass alle ruhig bleiben und in der sicheren Hockstellung verharren, bis das Gewitter vollständig vorübergezogen ist. Verlassen Sie Ihre Position erst, wenn mindestens 30 Minuten lang kein Donner mehr zu hören war, denn sogenannte Nachzügler-Blitze können auch nach Abklingen des Gewitters noch auftreten.
Zusammengefasst:
- Meiden Sie einzelne Bäume, Waldränder, Lichtungen und offene Flächen.
- Suchen Sie einen dichten Bereich mit vielen gleich hohen Bäumen, möglichst in einer Senke.
- Halten Sie mindestens zehn Meter Abstand zu jedem Baumstamm und tief hängenden Ästen.
- Hocken Sie sich auf die Fußballen, Füße eng zusammen, auf eine isolierende Unterlage.
- Legen Sie sich niemals flach auf den Boden.
- Verteilen Sie sich als Gruppe mit Abstand zueinander.
- Bleiben Sie in dieser Position, bis das Gewitter sicher vorbei ist.
Auto, Bus und Bahn
Ein Auto mit durchgehender Metallkarosserie zählt bei Gewitter zu den sichersten Aufenthaltsorten überhaupt. Der Grund dafür ist das physikalische Prinzip des Faraday’schen Käfigs: Kommt es zu einem Blitzeinschlag, leitet die geschlossene Metallhülle des Fahrzeugs die elektrische Energie über die Außenhaut direkt in den Boden ab. Die Insassen im Inneren bleiben in der Regel völlig unversehrt, da der Strom nicht durch den Innenraum, sondern außen am Fahrzeug entlangfließt. Voraussetzung für diesen Schutz ist jedoch, dass bestimmte Regeln eingehalten werden.
Sobald Sie bemerken, dass ein Gewitter aufzieht – sei es durch dunkle Wolken, Donnergrollen oder erste Blitze am Himmel –, sollten Sie im Fahrzeug bleiben und das Auto nicht verlassen. Schließen Sie unverzüglich alle Fenster, Türen und gegebenenfalls das Schiebedach, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit oder Wind eindringen und um die Schutzwirkung des Faraday’schen Käfigs zu gewährleisten. Auch die Antenne sollte, wenn möglich, eingefahren werden. Es empfiehlt sich, das Fahrzeug auf einen sicheren Parkplatz, eine Raststätte oder – falls verfügbar – in eine Garage zu stellen. Ist das nicht möglich, bleiben Sie einfach auf dem Seitenstreifen oder einem sicheren Standstreifen stehen. Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, wenn die Sicht durch Starkregen eingeschränkt ist.
Während des Gewitters sollten Sie darauf achten, im Innenraum keinen direkten Kontakt zu blanken Metallteilen zu haben. Dazu zählen beispielsweise Türgriffe, Schalthebel, metallische Zierleisten oder auch freiliegende Schrauben. Moderne Fahrzeuge sind zwar meist so konstruiert, dass die Sitze, Armaturen und das Lenkrad ausreichend isoliert sind, dennoch ist Vorsicht geboten, da bei einem sehr seltenen, direkten Einschlag in unmittelbarer Nähe Strom über diese Teile in den Innenraum gelangen könnte. Halten Sie daher die Hände am besten auf dem Schoß oder am isolierten Teil des Lenkrads und vermeiden Sie es, sich während des Gewitters im Auto zu bewegen.
Ein besonderes Augenmerk sollte auf Cabrios gelegt werden. Zwar verfügen viele moderne Cabrios über ein im Verdeck integriertes Metallgestänge, das im geschlossenen Zustand einen gewissen Blitzschutz bieten kann. Dennoch ist die Schutzwirkung bei weitem nicht so zuverlässig wie bei Fahrzeugen mit durchgehender Metallkarosserie. Das Verdeck besteht meist aus Stoff oder Kunststoff, was keine leitende Wirkung hat. Die Ableitung des Blitzes über das Metallgestänge ist nicht in jedem Fall sicher – vor allem bei älteren Modellen oder bei Verdecken mit schwächerer Konstruktion kann es zu lebensgefährlichen Überschlägen in den Innenraum kommen. Daher gilt: Wer bei Gewitter mit einem Cabrio unterwegs ist, sollte so schnell wie möglich einen sicheren Unterstand wie eine Garage, eine Tiefgarage oder ein festes Gebäude aufsuchen und das Fahrzeug verlassen, sobald dies gefahrlos möglich ist. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass das Verdeck allein ausreichend schützt.
Auch Busse und Bahnen bieten in der Regel guten Schutz, da sie über eine leitende Außenhülle verfügen, die Blitzströme sicher ableitet. Während eines Gewitters sollten Sie im Fahrzeug bleiben, auf keinen Fall Fenster öffnen und möglichst keinen Kontakt zu großen Metallflächen aufnehmen.
Ein weiteres Risiko bei Gewitter ist der starke Regen, der oft mit Blitz und Donner einhergeht. Die Sicht kann stark eingeschränkt werden, und es besteht die Gefahr von Aquaplaning – das heißt, das Fahrzeug schwimmt auf einer Wasserschicht und verliert den Kontakt zur Fahrbahn. Reduzieren Sie daher die Geschwindigkeit deutlich und fahren Sie besonders vorsichtig. Schalten Sie gegebenenfalls die Scheinwerfer ein, um besser gesehen zu werden. Wenn die Bedingungen zu gefährlich werden, ist es ratsam, das Fahrzeug sicher abzustellen und das Gewitter im Auto abzuwarten.
Verlassen Sie das Auto erst, wenn das Gewitter eindeutig vorüber ist. Faustregel: Warten Sie mindestens 30 Minuten, nachdem der letzte Donner verklungen ist, bevor Sie das Fahrzeug verlassen. Auch nach dem scheinbaren Ende eines Gewitters können sogenannte Nachzügler-Blitze auftreten, die weiterhin gefährlich sind.
Zusammengefasst:
- Ein Auto mit durchgehender Metallkarosserie bietet bei Gewitter hervorragenden Schutz, da es als Faraday’scher Käfig wirkt.
- Bleiben Sie im Fahrzeug, schließen Sie alle Fenster, Türen und das Schiebedach, und fahren Sie – wenn möglich – die Antenne ein.
- Vermeiden Sie während des Gewitters den Kontakt zu blanken Metallteilen im Innenraum.
- Cabrios bieten nur eingeschränkten Schutz. Suchen Sie bei Gewitter möglichst schnell einen sicheren Unterstand und verlassen Sie das Fahrzeug, sobald es gefahrlos möglich ist.
- Auch Busse und Bahnen schützen gut, solange Sie im Fahrzeug bleiben und keinen Kontakt zu Metallflächen haben.
- Reduzieren Sie bei Starkregen die Geschwindigkeit und stellen Sie das Fahrzeug ab, wenn die Sicht zu schlecht wird oder Aquaplaning droht.
- Verlassen Sie das Auto erst, wenn das Gewitter sicher vorbei ist und mindestens 30 Minuten kein Donner mehr zu hören war.
Berge und Wanderungen
Wer in den Bergen unterwegs ist, muss bei Gewitter besonders vorsichtig sein, denn das Risiko eines Blitzeinschlags ist in alpinem Gelände deutlich erhöht. Die exponierte Lage, die oft fehlende Rückzugsmöglichkeit und die Vielzahl an metallischen Ausrüstungsgegenständen machen Bergwanderungen und Klettertouren bei Gewitter zu einer der gefährlichsten Situationen überhaupt.
Sobald Sie erkennen, dass sich ein Gewitter nähert – sei es durch dunkle Wolken, plötzlich aufkommenden Wind, Donnergrollen oder erste Blitze –, sollten Sie ohne Zögern Ihre Tour abbrechen und so schnell wie möglich tiefer gelegene Bereiche aufsuchen. Bleiben Sie nicht auf Graten, Bergkämmen, Gipfeln oder anderen exponierten Stellen, da Sie dort den höchsten Punkt bilden und somit besonders blitzgefährdet sind. Auch einzelne Felsen, freistehende Bäume oder markante Geländepunkte bieten keinen Schutz, sondern erhöhen das Risiko zusätzlich.
Der Abstieg sollte zügig, aber kontrolliert erfolgen – vermeiden Sie Hektik oder riskante Abkürzungen, um Stürze zu verhindern. Suchen Sie während des Abstiegs gezielt nach einer Mulde, Senke oder einem Bereich, der von gleich hohen, nicht einzeln stehenden Felsen oder Büschen umgeben ist. In solchen Tiefpunkten ist die Wahrscheinlichkeit eines direkten Einschlags geringer als auf offenen Flächen oder an herausragenden Punkten.
Felsspalten können einen gewissen Schutz bieten, sofern sie tief genug sind und nicht direkt am Höhleneingang liegen. Meiden Sie jedoch den direkten Höhleneingang oder Überhänge, da Blitze in den Fels einschlagen und der Strom entlang der Felswände oder durch das feuchte Gestein in den Innenraum geleitet werden kann. Auch Wasserläufe, Bachbetten oder nasse Rinnen sind gefährlich, weil Wasser den Blitzstrom besonders gut leitet.
Metallische Gegenstände wie Wanderstöcke, Eispickel, Kletterausrüstung, Helme mit Metallbügel, Klettersteigsets oder Rucksäcke mit Metallgestänge sollten Sie während des Gewitters ablegen und mindestens zehn Meter entfernt platzieren. Auch Handys, Schlüssel, Uhren oder andere Metallgegenstände sollten nicht am Körper getragen werden. Diese Dinge ziehen zwar den Blitz nicht gezielt an, können aber im Falle eines Einschlags gefährliche Stromleiter werden und schwere Verbrennungen oder Verletzungen verursachen.
Um das Risiko eines Stromschlags durch sogenannte Schrittspannung zu minimieren, hocken Sie sich in einer Mulde oder Senke auf die Fußballen, halten Sie die Füße eng zusammen und machen Sie sich so klein wie möglich. Setzen Sie sich – wenn vorhanden – auf eine isolierende Unterlage wie einen Rucksack (ohne Metallgestänge), eine zusammengelegte Jacke oder eine Isomatte. Legen Sie sich keinesfalls flach auf den Boden, da sich der Strom nach einem Blitzeinschlag kreisförmig über die Erdoberfläche ausbreitet und so eine größere Körperfläche gefährdet wird.
Sind Sie in einer Gruppe unterwegs, verteilen Sie sich mit einigen Metern Abstand zueinander, um das Risiko von Mehrfachverletzungen zu verringern. Bleiben Sie ruhig, sprechen Sie sich ab und warten Sie gemeinsam, bis das Gewitter vorbeigezogen ist. Erst wenn mindestens 30 Minuten lang kein Donner mehr zu hören war, ist es sicher, die geschützte Position zu verlassen und den Weg fortzusetzen.
Zusammengefasst:
- Bei aufziehendem Gewitter sofort die Tour abbrechen und schnellstmöglich in tiefer gelegene Bereiche absteigen.
- Grate, Gipfel, exponierte Felsen, einzelne Bäume und offene Flächen meiden.
- Schutz in Mulden, Senken oder tiefen Felsspalten suchen, aber Höhleneingänge und Überhänge meiden.
- Metallische Ausrüstung und Gegenstände ablegen und mit Abstand ablegen.
- In der Hocke auf die Fußballen, Füße eng zusammen, auf einer isolierenden Unterlage verharren.
- Nicht flach auf den Boden legen.
- In Gruppen: Abstand halten, ruhig bleiben und gemeinsam abwarten.
- Erst nach dem Gewitter und mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donner weitergehen.
Wer sich an diese Regeln hält, kann das Risiko in den Bergen deutlich reduzieren – dennoch gilt: Bei Gewitter ist der beste Schutz immer die rechtzeitige Rückkehr ins Tal oder in eine Hütte. Planen Sie Bergtouren deshalb stets mit Blick auf das Wetter und brechen Sie im Zweifel lieber früher ab.
Camping und Zelten
Zelten ist für viele Menschen ein besonderes Naturerlebnis – gerade bei Familien, Jugendlichen und Outdoor-Fans sind Campingausflüge sehr beliebt. Doch bei aufziehendem Gewitter verwandelt sich das Zelt schnell von einem gemütlichen Rückzugsort in einen potenziell gefährlichen Aufenthaltsort. Denn Zelte – egal ob kleine Igluzelte, große Familienzelte oder Luxus-Glamping-Zelte – bieten keinerlei Schutz vor Blitzeinschlägen. Sie bestehen in aller Regel aus Stoff, Kunststoff oder dünnem Material und verfügen nur über ein leichtes Gestänge aus Aluminium, Stahl oder Glasfaser. Dieses Gestänge bildet keinen Faraday’schen Käfig, der den Blitzstrom sicher ableiten könnte. Im Gegenteil: Schlägt ein Blitz in der Nähe ein, kann der Strom durch das Zeltgestänge, die feuchte Zeltplane oder den nassen Boden direkt auf die im Zelt befindlichen Personen überspringen.
Deshalb gilt: Sobald sich ein Gewitter ankündigt, sollten Sie das Zelt umgehend verlassen und Schutz in einem festen Gebäude suchen – zum Beispiel in einem Sanitärgebäude, einem Campingplatz-Restaurant oder einem anderen massiv gebauten Haus. Ist kein Gebäude in erreichbarer Nähe, ist ein Auto mit geschlossener Metallkarosserie die zweitbeste Wahl. Das Auto wirkt als Faraday’scher Käfig und schützt die Insassen zuverlässig, solange alle Fenster und Türen geschlossen sind. Auch Wohnmobile und Wohnwagen mit durchgehender Metallhülle bieten einen gewissen Schutz, sofern sie nicht aus Kunststoff bestehen und alle Türen und Fenster geschlossen sind.
Falls sich ein Gewitter überraschend und ohne rechtzeitige Ausweichmöglichkeit ankündigt und Sie das Zelt nicht mehr verlassen können, gibt es einige Notmaßnahmen, um das Risiko zu minimieren:
- Halten Sie möglichst großen Abstand zu allen Zeltstangen und der Zeltwand, da Strom besonders leicht über feuchte Materialien und Metallgestänge auf den Körper überspringen kann.
- Setzen Sie sich auf eine isolierende Unterlage wie eine Isomatte, einen zusammengefalteten Schlafsack, eine trockene Jacke oder einen Rucksack (ohne Metallgestänge).
- Hocken Sie sich auf die Fußballen, halten Sie die Füße eng zusammen und machen Sie sich so klein wie möglich, um die Kontaktfläche zum Boden zu minimieren und das Risiko durch Schrittspannung zu verringern.
- Legen Sie sich keinesfalls flach auf den Zeltboden, da sich der Strom nach einem Blitzeinschlag kreisförmig über die Erdoberfläche ausbreitet und so eine größere Körperfläche gefährdet wird.
Bei der Wahl des Campingplatzes können Sie das Risiko bereits im Vorfeld reduzieren:
- Vermeiden Sie Standplätze in der Nähe von Gewässern wie Seen, Flüssen oder Teichen, da Wasser den Blitzstrom besonders gut leitet und die Gefahr eines Einschlags erhöht.
- Meiden Sie Plätze, die direkt unter oder in unmittelbarer Nähe von hohen Bäumen liegen – Bäume ziehen Blitze besonders an, und herabfallende Äste können zusätzlich gefährlich werden.
- Vermeiden Sie exponierte Lagen auf Hügeln, Anhöhen oder Lichtungen. Wählen Sie wenn möglich eine Senke oder einen geschützten, tiefer gelegenen Bereich zum Aufstellen des Zeltes.
Achten Sie auf die Wettervorhersage und brechen Sie Ihren Campingausflug im Zweifel lieber früher ab, wenn starke Gewitter angekündigt sind. Informieren Sie auch Ihre Kinder über das richtige Verhalten bei Gewitter auf dem Campingplatz und üben Sie gemeinsam, wie man im Notfall schnell und ruhig das Zelt verlässt und Schutz sucht.
Zusammengefasst:
- Zelte bieten keinen Blitzschutz, da sie keine leitende Hülle besitzen.
- Bei Gewitter immer ein festes Gebäude oder ein Auto mit Metallkarosserie aufsuchen.
- Ist das nicht möglich, Abstand zu Zeltstangen und Zeltwänden halten und auf einer isolierenden Unterlage hocken.
- Campingplätze in der Nähe von Wasser, Bäumen oder auf Anhöhen meiden.
- Wetterlage stets beobachten und Kinder über das richtige Verhalten informieren.
Ein zusätzlicher wichtiger Aspekt ist, dass viele Campingplätze in Tälern oder Senken liegen – bei starkem Regen während eines Gewitters kann es dort neben der Blitzgefahr auch zu gefährlichen Sturzfluten, plötzlichem Hochwasser oder Erdrutschen kommen, was das Risiko für Camper zusätzlich erhöht.
Schwimmen im Meer, See, Fluss oder Freibad
Schwimmen im Meer, See, Fluss oder Freibad ist bei Gewitter mit extrem hohen Risiken verbunden und zählt zu den gefährlichsten Situationen überhaupt. Wasser leitet elektrischen Strom besonders gut – daher sind selbst weit entfernte Blitzeinschläge lebensbedrohlich für alle, die sich in oder nahe am Wasser aufhalten. Sobald Sie auch nur das leiseste Donnergrollen hören, ist es unbedingt erforderlich, das Wasser sofort und ohne Zögern zu verlassen. Warten Sie nicht erst, bis Sie Blitze sehen oder das Gewitter direkt über Ihnen ist – dann kann es bereits zu spät sein.
Es wirken bei Gewitter auf und an Gewässern gleich zwei lebensgefährliche Faktoren zusammen: Erstens ist auf einer flachen, offenen Wasseroberfläche der Kopf eines Schwimmers oder einer Schwimmerin der höchste Punkt weit und breit. Damit fungieren Menschen im Wasser quasi als „Blitzableiter“ und werden besonders leicht vom Blitz getroffen – das gilt für Schwimmer:innen ebenso wie für Menschen auf Surfbrettern, Stand-Up-Paddles oder kleinen Booten ohne geschlossene Kabine.
Zweitens breitet sich der Strom eines Blitzeinschlags im Wasser explosionsartig und über enorme Distanzen aus. Während ein Blitzeinschlag an Land meist nur in unmittelbarer Umgebung gefährlich ist, kann ein Blitz im Wasser über viele hundert Meter hinweg tödliche Ströme erzeugen. Die elektrische Energie verteilt sich im Wasser, sodass auch Personen, die sich scheinbar weit entfernt vom Einschlag befinden, noch schwere Stromschläge erleiden können. Die Folgen reichen von Muskelverkrampfungen über Herzrhythmusstörungen bis hin zum sofortigen Bewusstseinsverlust und Ertrinken – oft schneller, als Hilfe möglich wäre.
Auch nach dem Verlassen des Wassers ist Vorsicht geboten: Nasse Uferbereiche, Stege, Leitern, Sprungtürme und offene Boote bieten keinerlei Schutz. Metallene Gegenstände wie Leitern oder Ankerketten können den Blitz zusätzlich anziehen und den Strom weiterleiten. Selbst das Stehen im seichten Wasser oder auf nassem Sand ist gefährlich, da die Feuchtigkeit den Strom gut leitet. Suchen Sie deshalb bei Gewitter immer einen geschlossenen, sicheren Unterschlupf auf – ein festes Gebäude oder ein Auto mit Metallkarosserie bieten den besten Schutz.
Wichtig ist auch, dass Sie andere Badegäste, insbesondere Kinder, auf die Gefahr aufmerksam machen und gemeinsam das Wasser verlassen. Schwimmlehrer, Bademeister und Aufsichtspersonen sollten bei aufziehendem Gewitter unverzüglich Alarm schlagen und alle Badegäste zum Verlassen des Wassers und der Uferbereiche auffordern. In Freibädern, Badeseen und an Stränden werden Gewitterwarnungen oft durch Lautsprecher oder spezielle Signale bekanntgegeben – achten Sie auf diese Hinweise und reagieren Sie sofort.
Auch nach dem Ende des Gewitters sollten Sie mindestens 30 Minuten warten, bevor Sie wieder ins Wasser gehen, da auch Nachzügler-Blitze auftreten können. Bleiben Sie während dieser Zeit in einem geschützten Bereich und beobachten Sie weiter die Wetterlage.
Zusammengefasst:
- Verlassen Sie bei Gewitterwarnung oder Donnergrollen sofort das Wasser und den gesamten Uferbereich.
- Meiden Sie Stege, offene Boote, Sprungtürme und alles aus Metall.
- Suchen Sie Schutz in einem festen Gebäude oder einem geschlossenen Auto.
- Achten Sie auf Warnhinweise und Anweisungen des Aufsichtspersonals.
- Gehen Sie erst wieder ins Wasser, wenn das Gewitter vollständig vorüber ist und mindestens 30 Minuten kein Donner mehr zu hören war.
Arbeit im Freien und Baustellen
Wer im Freien arbeitet – sei es auf Baustellen, in der Landwirtschaft, beim Straßenbau, im Gartenbau oder bei der Pflege von Parks und Grünanlagen – ist bei Gewitter besonders gefährdet. Die Arbeitsumgebung ist oft offen und weitläufig, sodass Arbeiterinnen und Arbeiter ungeschützt den Naturgewalten ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass auf Baustellen und Feldern zahlreiche Geräte, Maschinen und Werkzeuge aus Metall verwendet werden, die bei einem Blitzeinschlag als Stromleiter wirken und das Verletzungsrisiko massiv erhöhen können.
Sobald eine Gewitterwarnung ausgegeben wird oder sich erste Anzeichen wie dunkle Wolken, plötzlich auffrischender Wind oder Donnergrollen zeigen, gilt: Alle Arbeiten im Freien sind sofort zu unterbrechen. Das betrifft jegliche Tätigkeit – vom Bedienen großer Landmaschinen, dem Arbeiten auf dem Dach, dem Führen von Kränen und Baggern über das Schneiden von Hecken bis hin zum einfachen Rasenmähen. Besonders gefährlich sind Kräne, Gerüste, Bauzäune, Silos, Hochsitze, Bewässerungsanlagen, Strommasten und andere hohe oder freistehende Metallkonstruktionen, da sie Blitze besonders anziehen. Auch das Bedienen von Handwerkzeugen wie Schaufeln, Harken, Motorsägen oder Heckenscheren aus Metall kann bei Gewitter lebensgefährlich sein.
Arbeiter sollten sich bei Gewitterwarnung oder sichtbarem Wetterumschwung umgehend in Sicherheit bringen – das heißt, ein festes Gebäude mit geschlossenen Fenstern und Türen aufsuchen. Ist ein solches nicht vorhanden, bietet ein Fahrzeug mit geschlossener Metallkarosserie (z. B. Auto, Traktor oder Lkw) guten Schutz, solange alle Fenster und Türen geschlossen sind und kein Kontakt zu Metallteilen besteht. Offene Fahrzeuge wie Gabelstapler ohne Kabine, Quads oder Traktoren mit Stoffverdeck bieten keinen ausreichenden Schutz und sollten während eines Gewitters nicht genutzt werden.
Wichtig ist auch, dass alle elektrischen Maschinen und Geräte abgeschaltet und – wenn möglich – vom Netz getrennt werden. Verlängerungskabel, Stromleitungen und Stecker sollten nicht mehr berührt werden, da sie bei einem Blitzeinschlag gefährliche Überspannungen führen können. Werkzeuge und Maschinen aus Metall sollten während des Gewitters nicht am Körper getragen oder in der Hand gehalten werden.
Arbeitgeber und Verantwortliche sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter über die Gefahren von Gewittern aufzuklären und klare Verhaltensregeln aufzustellen. Regelmäßige Sicherheitsunterweisungen und das Bereitstellen von sicheren Rückzugsorten sind hier unerlässlich. Auch sollte ein Notfallplan für Gewitterfälle existieren, der allen Beschäftigten bekannt ist.
Zusammengefasst:
– Bei Gewitterwarnung oder ersten Anzeichen eines Gewitters sofort alle Arbeiten im Freien einstellen.
– Kräne, Gerüste, Maschinen, Werkzeuge und andere Metallkonstruktionen sind besonders gefährlich und dürfen nicht mehr benutzt werden.
– Schutz in einem festen Gebäude oder einem Fahrzeug mit Metallkarosserie suchen – offene Fahrzeuge bieten keinen Schutz.
– Elektrische Geräte und Maschinen abschalten und nicht mehr berühren.
– Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter regelmäßig über Blitzschutz und Notfallmaßnahmen informieren.
Schule, Kindergarten und Spielplatz
Kinder gehören zu den besonders gefährdeten Personengruppen bei Gewitter, denn sie schätzen die Risiken häufig falsch ein oder nehmen Warnungen nicht ernst genug. Ihre Neugier, ihr Bewegungsdrang und das Bedürfnis, draußen zu spielen, führen dazu, dass sie sich oft noch im Freien aufhalten, wenn ein Gewitter bereits naht. Deshalb ist es entscheidend, dass Erwachsene – Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Aufsichtspersonen auf Spielplätzen – klare Regeln aufstellen und konsequent für deren Einhaltung sorgen.
In Schulen und Kindergärten sollte bei aufziehendem Gewitter oder sobald Donner zu hören ist, sofort gehandelt werden: Alle Kinder werden umgehend ins Gebäude geholt, unabhängig davon, ob es gerade regnet oder nicht. Auch Pausen, Freistunden oder der Sportunterricht im Freien müssen sofort abgebrochen werden. Fenster und Türen sind zu schließen, um das Eindringen von Regen, Wind und gefährlichen Druckwellen bei einem Blitzeinschlag zu verhindern. Besonders in Räumen mit großen Glasflächen, Wintergärten oder auf Balkonen ist Vorsicht geboten – hier sollten sich Kinder während des Unwetters nicht aufhalten. Elektronische Geräte, die nicht unbedingt benötigt werden, sollten vom Netz getrennt werden, um Schäden durch Überspannungen zu vermeiden.
Lehrkräfte und Erzieher sollten mit den Kindern regelmäßig über das richtige Verhalten bei Gewitter sprechen und ihnen altersgerecht erklären, warum es so wichtig ist, Schutz zu suchen. Rollenspiele, Bilderbücher oder kleine Übungen helfen Kindern, die Regeln zu verinnerlichen und im Ernstfall richtig zu reagieren. Auch das gemeinsame Üben, wie man Fenster schließt, Geräte aussteckt oder sich im Gebäude ruhig verhält, ist sinnvoll.
Auf dem Spielplatz gilt eine besonders einfache und wichtige Regel: Sobald Donner zu hören ist – auch wenn der Himmel noch nicht dunkel ist oder es noch nicht regnet – müssen alle Kinder sofort nach Hause gehen oder Schutz in einem nahen festen Gebäude suchen. Eltern und Aufsichtspersonen sollten Kinder dabei nicht allein lassen, sondern sie begleiten und darauf achten, dass niemand zurückbleibt. Spielgeräte aus Metall wie Klettergerüste, Schaukeln, Rutschen oder Karussells sind bei Gewitter besonders gefährlich, da sie den Blitzstrom leiten können. Auch Sandkästen, die sich in der Nähe von hohen Bäumen oder auf offenen Flächen befinden, sind kein sicherer Aufenthaltsort.
Für Eltern ist es wichtig, ihren Kindern schon früh beizubringen, dass Gewitter keine Mutprobe sind und dass es keine Schande ist, das Spiel zu unterbrechen. Wiederholte Gespräche, das gemeinsame Beobachten des Wetters und das Üben von Schutzmaßnahmen helfen, dass Kinder im Ernstfall nicht in Panik geraten, sondern ruhig und zielstrebig handeln.
Zusammengefasst:
- In Schulen und Kindergärten müssen bei Gewitter alle Kinder sofort ins Gebäude geholt werden.
- Fenster und Türen sind zu schließen, Aktivitäten im Freien werden abgesagt.
- Lehrkräfte und Erzieher sollten mit den Kindern regelmäßig das richtige Verhalten bei Gewitter besprechen und üben.
- Auf dem Spielplatz gilt: Bei Donner sofort nach Hause gehen oder Schutz in einem festen Gebäude suchen.
- Eltern und Aufsichtspersonen sollten Kinder begleiten, auf sie achten und ihnen den respektvollen Umgang mit Naturgefahren frühzeitig vermitteln.
Freizeit, Angeln, Picknick, Festivals
Auch bei Freizeitaktivitäten wie Angeln, Picknick, Grillen, Open-Air-Festivals, Konzerten, Sportveranstaltungen oder anderen Outdoor-Events ist besondere Vorsicht geboten, sobald ein Gewitter naht. Gerade in der Freizeit unterschätzen viele Menschen die Gefahr, weil sie sich entspannt fühlen, das Wetter zunächst noch harmlos erscheint oder sie ungern einen schönen Moment unterbrechen möchten. Doch gerade diese Sorglosigkeit kann zu lebensgefährlichen Situationen führen.
Anglerinnen und Angler sind bei Gewitter besonders gefährdet, denn Angelruten bestehen meist aus leitfähigem Material wie Carbon oder Metall und sind oft mehrere Meter lang. Sie wirken auf freier Fläche oder am Wasser wie Blitzableiter und können den Blitzstrom direkt auf den Menschen übertragen. Auch das Stehen am Ufer, auf Stegen oder in Booten erhöht das Risiko zusätzlich, da Wasser den Strom hervorragend leitet. Sobald sich ein Gewitter ankündigt oder Donner zu hören ist, sollten Sie das Angeln sofort beenden, die Rute ablegen und sich schnellstmöglich von Gewässern und offenen Flächen entfernen. Suchen Sie Schutz in einem festen Gebäude oder einem Auto mit Metallkarosserie – ein Zelt oder ein Boot bieten keinen ausreichenden Schutz.
Picknicks, Grillabende oder Gartenpartys werden bei schönem Wetter oft auf offenen Wiesen, in Parks oder auf Lichtungen veranstaltet. Bei Gewitter müssen alle Aktivitäten sofort abgebrochen werden. Packen Sie nicht erst in Ruhe zusammen, sondern lassen Sie im Zweifel auch einmal etwas liegen, um schnell Schutz zu suchen. Besonders gefährlich sind Grills, Feuerschalen, Getränkekühler oder Campingkocher aus Metall – sie leiten Strom sehr gut und sollten keinesfalls bei Gewitter berührt werden. Auch Picknickdecken, die auf feuchtem Boden liegen, bieten keinen Schutz vor Bodenströmen.
Open-Air-Festivals, Konzerte und große Sportveranstaltungen finden häufig auf weitläufigen, offenen Flächen statt. Hier ist die Gefahr durch Blitzeinschläge besonders groß, da Menschenmengen oft die höchsten Punkte darstellen und zahlreiche metallische Konstruktionen wie Lautsprechermasten, Bühnen, Tribünen, Zäune oder Lichttürme vorhanden sind. Diese Metallkonstruktionen können den Blitz anziehen und den Strom in die Umgebung ableiten. Bei Gewitterwarnung sind die Veranstalter verpflichtet, das Programm zu unterbrechen und die Besucher aufzufordern, Schutz zu suchen. Folgen Sie diesen Anweisungen unbedingt und suchen Sie das nächstgelegene feste Gebäude oder einen geschlossenen Pkw auf. Bleiben Sie nicht unter Zeltdächern, Pavillons, Sonnenschirmen oder in der Nähe von Bühnenkonstruktionen stehen, da diese keinen ausreichenden Schutz bieten und im Gegenteil noch gefährlicher sein können.
Auch bei anderen Freizeitaktivitäten wie Klettern im Hochseilgarten, Ballspielen auf dem Bolzplatz, Radfahren, Wandern oder beim Zelten gilt: Sobald ein Gewitter naht, ist es wichtig, das Risiko ernst zu nehmen, Aktivitäten abzubrechen und sich in Sicherheit zu bringen. Besonders in Gruppen sollte man sich absprechen, damit niemand zurückbleibt oder das Risiko unterschätzt.
Zusammengefasst:
- Freizeitaktivitäten im Freien bei den ersten Anzeichen von Gewitter sofort abbrechen und Schutz suchen.
- Angelruten, Grills, Feuerschalen, Bühnenkonstruktionen und andere Metallgegenstände sind besonders gefährlich und dürfen bei Gewitter nicht berührt werden.
- Schutz bieten nur feste Gebäude oder Autos mit Metallkarosserie – Zelte, Pavillons oder Boote sind kein sicherer Zufluchtsort.
- Veranstalteranweisungen bei Festivals, Konzerten oder Sportevents unbedingt befolgen.
- In Gruppen aufeinander achten und gemeinsam rechtzeitig Schutz suchen.
Nur durch konsequentes Handeln und das Ernstnehmen der Gefahr können schwere Unfälle bei Freizeitaktivitäten im Freien verhindert werden.
Allgemeine Tipps für Eltern
Kinder lernen am besten, wenn sie Dinge aktiv erleben – und das gilt auch für den sicheren Umgang mit Gewittern. Statt nur Regeln aufzulisten, machen Sie das Thema gemeinsam zu einem kleinen Abenteuer. Setzen Sie sich mit Ihrem Kind zusammen, blättern Sie durch ein Bilderbuch über Wetter oder schauen Sie ein kurzes Video, das erklärt, wie Gewitter entstehen und warum Blitze gefährlich sind. So wird das Ganze greifbar und verständlich.
Probieren Sie doch mal ein Rollenspiel: Was passiert, wenn ihr zusammen auf dem Spielplatz seid und plötzlich Donner zu hören ist? Oder wie verhaltet ihr euch, wenn ihr im Garten spielt, das erste Blitzen seht oder im Freibad schwimmt? Lassen Sie Ihr Kind entscheiden, was zu tun ist, und wechseln Sie auch mal die Rollen – so bleibt das Gelernte im Kopf.
Auch kleine Merksätze oder Reime helfen Kindern, sich im Ernstfall richtig zu verhalten. Ein Satz wie „Siehst du Blitze, hörst du Donner – geh ins Haus, das ist viel gesünder!“ bleibt hängen und kann im entscheidenden Moment abgerufen werden. Basteln Sie gemeinsam eine bunte Checkliste mit den wichtigsten Regeln – „Fenster zu!“, „Geräte ausstecken!“, „Nicht ins Wasser!“ – und hängen Sie sie gut sichtbar in den Flur oder an die Kinderzimmertür.
Machen Sie aus dem Thema ruhig mal eine kleine Familien-Notfallübung: Wer schafft es am schnellsten, alle Fenster zu schließen, elektrische Geräte auszustecken und sich an den sicheren Platz im Haus zu begeben? Wiederholen Sie solche Übungen regelmäßig, damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist.
Auch das Wetterbeobachten kann ein spannendes Familienprojekt sein. Schauen Sie gemeinsam auf Wetter-Apps oder verfolgen Sie die Warnungen im Radio – so entwickeln Kinder ein Gefühl dafür, wann Gefahr droht und wie sie sich vorbereiten können.
Nutzen Sie kindgerechte Infomaterialien – Bücher, Poster oder Online-Angebote – die das Thema Gewitter altersgerecht erklären. Viele Wetterdienste bieten kostenloses Material an, das sich gut für Gespräche oder kleine Bastelaktionen eignet.
Fragen Sie Ihr Kind ab und zu spielerisch: „Was machst du, wenn du draußen bist und es donnert?“ Loben Sie es für richtige Antworten und erklären Sie freundlich, falls mal etwas vergessen wird.
Am wichtigsten ist: Leben Sie das richtige Verhalten vor. Zeigen Sie selbst, wie Sie bei Gewitter reagieren, und nehmen Sie die Gefahr ernst – Kinder orientieren sich stark an Ihrem Verhalten.
Sprechen Sie auch mit anderen Eltern, Lehrern oder Erziehern darüber, damit die wichtigsten Regeln nicht nur zu Hause, sondern auch in Schule, Kindergarten und beim Sport geübt werden.
Mit solchen kleinen, alltagsnahen Übungen und Gesprächen helfen Sie Ihren Kindern, das richtige Verhalten bei Gewitter ganz selbstverständlich zu lernen – ohne Angst, aber mit dem nötigen Respekt. So sind sie im Ernstfall gut vorbereitet und wissen, was zu tun ist, selbst wenn Sie einmal nicht in der Nähe sind.
Fakten über Gewitter – Hätten Sie es gewusst?
Viele unterschätzen die Gefahren von Gewittern, doch schon einfache Fakten zeigen, wie wichtig richtiges Verhalten ist. Ein besonders kritischer Punkt ist der Abstand zu Bäumen: Bei Gewitter sollte man sich, wenn möglich, mindestens zehn Meter von jedem Baum entfernt aufhalten. Der Grund ist, dass Blitze bevorzugt in hohe Einzelbäume einschlagen. Der Blitzstrom kann dann nicht nur durch den Stamm, sondern auch über feuchte Rinde, Äste und vor allem das weitverzweigte Wurzelwerk in den Boden geleitet werden. Wer zu nah am Baum steht, riskiert, dass der Strom auf ihn überspringt oder dass herabfallende Äste zur Gefahr werden. Die Empfehlung von zehn Metern Abstand gilt auch für Waldränder, Baumgruppen und sogar für Sträucher in freiem Gelände.
Ebenso wichtig ist der Abstand zu Wasserflächen. Wasser leitet elektrischen Strom besonders gut – und das nicht nur direkt an der Oberfläche, sondern auch über feuchten Boden und Spritzwasser. Deshalb sollten Sie bei Gewitter mindestens 50 bis 100 Meter Abstand von Seen, Flüssen, Teichen oder auch Schwimmbecken halten. Auch das Ufer ist gefährlich: Ein Blitzeinschlag kann sich im Wasser und über nassen Boden weit ausbreiten und Menschen, die sich scheinbar in sicherer Entfernung befinden, gefährden. Besonders in Freibädern, an Badeseen oder am Meer gilt: Bei den ersten Anzeichen eines Gewitters sofort das Wasser verlassen und sich weit genug vom Ufer entfernen.
Um einzuschätzen, wie weit ein Gewitter entfernt ist, gibt es eine einfache Methode: Zählen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teilen Sie diese Zahl durch drei. Das Ergebnis gibt die Entfernung des Gewitters in Kilometern an. Beispiel: Liegen neun Sekunden zwischen Blitz und Donner, ist das Gewitter etwa drei Kilometer entfernt. Doch Vorsicht: Selbst wenn das Gewitter noch einige Kilometer entfernt scheint, können sogenannte „Vorbote-Blitze“ oder „Blitze aus heiterem Himmel“ weit vor dem eigentlichen Gewitterkern einschlagen. Daher gilt: Sobald Sie Donner hören, besteht bereits Gefahr und Sie sollten Schutz suchen.
Blitze selbst sind beeindruckende Naturphänomene: Sie können bis zu 20 Kilometer lang sein und sich in seltenen Fällen sogar noch weiter ausbreiten. Ein Blitz muss also nicht unbedingt direkt über Ihnen einschlagen, um gefährlich zu werden – auch Einschläge in einiger Entfernung können lebensgefährliche Bodenströme verursachen.
Die wichtigste Faustregel lautet daher: Spätestens (!) sobald Sie Donner hören oder Blitze sehen, ist das Gewitter nah genug, um gefährlich zu werden.
Jetzt aber mal im Ernst – Wie hole ich Hilfe?
Im Ernstfall, etwa bei einem Blitzeinschlag oder einer schweren Verletzung durch ein Gewitter, ist es wichtig, schnell und überlegt Hilfe zu holen:
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Notruf wählen: Wählen Sie umgehend die Notrufnummer 112 (in Deutschland und Europa). Geben Sie ruhig und deutlich an, was passiert ist, wo Sie sich befinden und wie viele Verletzte es gibt.
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Standort möglichst genau beschreiben: Geben Sie Adresse, markante Orientierungspunkte oder GPS-Daten durch, damit Rettungskräfte Sie schnell finden können. In abgelegenen Gebieten kann eine Handy-App mit Standortübertragung (z. B. „what3words“) sehr hilfreich sein.
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Erste Hilfe leisten: Falls möglich, leisten Sie bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Erste Hilfe – zum Beispiel stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung oder das Stillen von Blutungen. Bringen Sie sich dabei aber nicht selbst in Gefahr, zum Beispiel durch erneute Blitzeinschläge.
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Weitere Hilfe organisieren: Sprechen Sie umstehende Personen an und bitten Sie sie, ebenfalls Hilfe zu holen oder den Rettungsdienst einzuweisen.
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Ruhe bewahren: Bleiben Sie so ruhig wie möglich, beruhigen Sie Verletzte und halten Sie Kontakt zu den Rettungskräften, falls diese Rückfragen haben.
Gerade bei Gewitter gilt: Erst Hilfe holen, wenn es gefahrlos möglich ist – bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr, sondern warten Sie bei anhaltendem Unwetter an einem sicheren Ort, bis Sie gefahrlos telefonieren oder Hilfe leisten können.
Gewitter sind nicht zu unterschätzen. Sie treten immer häufiger und heftiger auf und können in Sekunden lebensgefährlich werden. Die wichtigste Regel lautet: Nehmen Sie jede Warnung ernst, beobachten Sie die Wetterentwicklung und bringen Sie sich und Ihre Familie frühzeitig in Sicherheit. Überlegen Sie schon vor dem Aufenthalt im Freien, wo der nächste sichere Unterschlupf ist. Bleiben Sie ruhig, handeln Sie besonnen und bringen Sie sich und andere nicht unnötig in Gefahr. Wer die wichtigsten Verhaltensregeln kennt, sie verinnerlicht und sie auch seinen Kindern weitergibt, kann das Risiko eines Blitzunfalls deutlich verringern. Gewitter sind beeindruckend – aber ihre Gefahr ist real.









Ein wirklich gelungener und sehr informativer Artikel! Gerade das Thema Gewitter wird leider oft unterschätzt, obwohl schon kleine Fehler gefährlich werden können. Mir gefällt besonders, dass die Verhaltensregeln verständlich erklärt werden und sowohl auf Situationen im Freien als auch im Haus eingegangen wird. Dadurch eignet sich der Beitrag nicht nur für Erwachsene, sondern auch, um Kindern das richtige Verhalten näherzubringen. Solche leicht verständlichen und praxisnahen Informationen können im Ernstfall sogar Leben retten. Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag – hoffentlich lesen ihn möglichst viele Menschen, bevor das nächste Gewitter aufzieht! 😊